Frauen im Motorsport: Natalie Decker

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Credits: Mario Schlimper/Threewide

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Mit ihren 22 Jahren ist Natalie Decker einer der Shootingstars der NASCAR-Szene. Doch wer ist Natalie Decker überhaupt? Threewide hatte die Chance, die junge Fahrerin aus Wisconsin zu interviewen.

Natalie Decker, geboren in Eagle River in Wisconsin, kommt aus einer Familie, die ihre Wurzeln im Schneemobil-Rennsport hat. Ihrem Vater Chuck gehörte bis 2018 die Eagle River Derby Track, auf der die Weltmeisterschaften des Schneemobil Derby ausgetragen werden. Erste Erfahrungen sammelte Decker auf Schneemobilen, bevor sie mit 9 Jahren zum ersten Mal im Kart fuhr. In den folgenden zwei Jahren gewann sie 4 Bahnmeisterschaften. 2010 wechselte sie vom Kart zu den Stockcars. Ihr Weg führte sie von den Modifieds zu den Super Stocks, wo sie 2012 Gesamtsiegerin der Central Wisconsin Super Stock Association, kurz CWSSA, wurde. Zusätzlich wurde sie als „Sportsmen of the Year“ und „Most Improved Driver“ ausgezeichnet.

Royal Broil, „7.2.15 State Park Speedway – Super Late Model winner Natalie Decker“, CC BY-SA 2.0

Mit ihrem Wechsel zu den Late Models 2013 ebnete sie den Weg für ihre NASCAR-Karriere. Mit vier Podestplätzen wurde sie Dritte in der Gesamtwertung der ARCA Midwest Truck Tour und erhielt als erste Frau die Auszeichnung „Rookie of the Year“. Im folgenden Jahr wurde sie mit sieben Siegen in zehn Rennen Bahnmeister der State Park Speedway Limited Late Models, bei den Super Late Models wurde sie insgesamt Vierte und beendete die Saison als „Rookie of the Year“. 2013 und 2014 wurde sie zum NASCAR Rev Racing Drive for Diversity Combine eingeladen und wurde für den Kader 2015 ausgewählt.

In ihrer noch kurzen Karriere hat Natalie Decker einige Rekorde aufgestellt. 2015 war sie die erste Frau, die in der ARCA Midwest Tour einen Podestplatz erzielen konnte. 2017 gelang ihr mit Platz 7 das beste Ergebnis einer Frau auf einem Rundkurs in der Geschichte der ARCA. 2018 schrieb sie sich erneut in die Geschichtsbücher der ARCA. Mit dem fünften Platz holte sie das beste Trainingsergebnis einer Frau auf einem Superspeedway.

Royal Broil, „8.27.17 Road America / ARCA – 25 Natalie Decker“, CC BY-SA 2.0

2019 startete Decker in ihre erste Teilzeitsaison in der NASCAR Gander RV & Outdoors Truck Series. In dieser Saison geht sie für Niece Motorsports in der #44 an den Start. Beim Saisonauftakt in Daytona konnte sie erneut Geschichte schreiben. Mit Platz 5 erzielte sie die beste Platzierung einer Frau in der Truck Series.

Obwohl sie im Alter von 2 Jahren mit chronischer Arthritis diagnostiziert wurde, lässt sich die 22-Jährige nicht von ihrem Ziel abbringen und möchte auch eine gewisse Vorbildfunktion haben. „Mein Traum ist es, irgendwann im Cup zu fahren. Mein Ziel in meinem Job ist es, das beste zu geben bei dem, was ich liebe, aber ich möchte auch für andere jemand sein, zu dem sie aufsehen können, wenn sie sich verlieren oder down sind und Inspiration brauchen“, erzählt sie gegenüber Threewide.

„Man kommt nicht darum herum, dass ich eine Frau bin. Verschiedene Sponsoren und Medien nutzen das natürlich“, erzählt Decker. Da es ihr auch Vorteile verschafft, stört sie sich nicht daran, wenn man sie als Frau statt als Rennfahrer betrachtet. Trotzdem ist sie kein Fan davon, nur auf ihr Äußeres oder ihr Geschlecht reduziert zu werden. „Egal bei welchem Job, Frauen können hübsch, warmherzig, süß und trotzdem gut in dem sein, was sie machen. Frauen können das alles sein und trotzdem ein professioneller Athlet oder CEO!“

Credits: Nina Weinbrenner/Threewide

Während in den unteren Ligen der NASCAR der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie durchaus einen Einfluss hatte, muss Decker ihre Pläne für 2020 nicht ändern. Da sie sehr aktiv in den sozialen Medien ist, hat sie darüber ihre Sponsoren weiter repräsentiert. Auch die wachsende Zahl ihrer Fans in Deutschland ist nicht unbemerkt geblieben. „Ich liebe das so sehr! Es macht mich glücklich zu sehen, dass ich so eine Reichweite habe und sogar Fans in Deutschland!“

Um sie live bei einem Rennen zu sehen, müssen ihre deutschen Fans allerdings weiterhin in die USA reisen. Den europäischen Ableger der NASCAR, die NASCAR Whelen Euro Series, findet sie zwar interessant, ein Gaststart ist aber erstmal nicht geplant. „Es ist großartig, dass es mehr solcher Serien gibt, nicht nur in den USA. Mein Ziel ist, so hart zu arbeiten, um in der NASCAR bleiben zu können. Ich liebe auch anderes Racing, wie Rundkurse, aber mein Traum und Ziel ist der Cup!“

Credits: Tom Threewide /Threewide
 

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