Daytona Erinnerungen #3: Ein Hendrick kommt selten allein

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Im dritten Teil unserer kleinen Daytona Reihe schauen wir auf die glorreichen Speedweeks aus dem Jahr 1997 für Hendrick Motorsports.

Wie dieses Jahr auch, begannen die Speedweeks auf dem Daytona International Speedway mit dem Sprint Unlimited, welches im Jahr 1997 noch auf den Namen „Busch Clash“ hörte, bevor dieser nach 18 Jahren in der nächsten Saison zum „Bud Shootout“ umbenannt wurde.

Während man mittlerweile über 75 Runden fährt, fuhr das Fahrerfeld bestehend aus den 14 Pole Siegern aus dem Vorjahr lediglich zwanzig Runden. Ein 15 Minuten Sprint ohne jegliches Taktikgeplänkel und jeder Menge Action – so zumindest die Hoffnungen der NASCAR damals. Alle Augen waren natürlich auf die beiden Hendrick Motorsports Fahrer Terry „Iceman“ Labonte und dem Wunderknaben aus Kalifornien, Jeff Gordon, gerichtet, die das Vorjahr mit einem ersten und zweiten Platz im Gesamtergebnis beendeten.

Der „Busch Clash“ von 1997

Gordon, der gegen die schiere Konstanz seines Teamkollegen in der Vorsaison nichts ausrichten konnte, zog das Los des 14. und somit letzten Startplatz. Eine schwierige Aufgabe, schließlich waren mit Terry und Bobby Labonte, Dale Earnhardt, Rusty Wallace, Ernie Irvan, Mark Martin und Dale Jarrett hochkarätige Fahrer unterwegs.

Der Chevrolet Monte Carlo von Gordon fuhr sich fürchterlich und somit blieb die #24 im ersten zehn Runden Segment weit hinten. Doch dank eines fragwürdigen Formates wurde das Feld nach Halbzeit des Rennen umgekehrt, mit Jeff Gordon nun auf Platz drei. Lediglich Bobby Labonte und der Superspeedway Spezialist Dale Earnhardt durften den Restart des zweiten Segments vor ihm starten, da sie in den ersten zehn Runden hinter ihm blieben.

In einem eher statischen Rennen mit wenig Überholmanövern gelang Gordon das siegreiche Überholmanöver gegen Bobby Labonte in Runde elf. Ab dem Zeitpunkt behielten er und seine „Rainbow Warriors“ die Führung und gewannen nach 1994 ihren zweiten Busch Clash. Vielleicht war der Monte Carlo doch gar nicht so schlecht und das gute, alte Taktikgeplänkel entschied einmal mehr ein NASCAR Rennen.

Überschläge, Überraschungen und Teamarbeit im Daytona 500

Der ganz große Erfolg lag Jeff Gordon allerdings noch bevor. Nach einem zweiten Platz hinter Dale Earnhardt in seinem Qualifikationsrennen am Donnerstag vor dem Great American Race, war es am 16. Februar 1997 so weit: CBS ging mit dem erfahrenen Kommentatoren-Trio, welches aus NASCARs Stimme Nummer 1 Ken Squier und den beiden Fahrer Legenden Ned Jarrett und Buddy Bakers bestand. Zusammen sollten sie die insgesamt 12,8 Millionen Fernsehzuschauer durch das wichtigste Rennen einer NASCAR Saison führen.

Mit Spannung wurde zum offiziellen Saisonstart der NASCAR Winston Cup Series hingefiebert. In einer Zeit, in der die NASCAR einen großen Wandel dank des Erfolges vom Kalifornier Jeff Gordon erlebte. Neue Märkte im Westen der USA wurden erschlossen und neue Rennstrecken wurden sowohl geplant als auch gebaut. Jeder wollte ein Teil der NASCAR werden, so auch die aufregenden Rookies in Form von Robby Gordon, David Green und Mike Skinner, der 1995 die Truck Series für Dale Earnhardt und Richard Childress gewinnen konnte.

Und eben jener Rookie von Richard Childress Racing durfte sofort ein wenig Spotlight schnuppern, als er sich in der Qualifikation des 500 Meilen Rennen die Pole Position sichern konnte, mit einem weiteren Underdog an seiner Seite namens Steve Grissom – der Nationwide Series Champion von 1993.

Schnell wurde Skinner in der zweiten Runde von seinem namhaften Teamkollegen Dale Earnhardt überholt, der die Führung gute 40 Runden hielt, bis er diese erstmals an Hendrick Motorsports Fahrer Jeff Gordon verlor.

Während Dale Earnhardts Führung verlor allerdings Robert Pressley die Kontrolle seines Chevrolets auf der langen Gegengeraden. Nach einem Dreher hob der Wagen ab, um wenig später wieder auf allen Vieren zu landen. Was spektakulär aussah, hatte für Pressley schmerzhafte Folgen: Er verletzte sich am Becken und Rücken, wie das örtliche Krankenhaus „Halifax Health“ herausfand.

Doch mit Mark Martin unterbrach das Ford Team von Jack Roush die Chevrolet Party an der Spitze und die über 180.000 Zuschauer vor Ort durften Mark Martin ungefähr ein Viertel des Rennens an der Führung beobachten. An der Entscheidung um den Sieg sollte der ewige Zweite allerdings keine Rolle spielen.

Diese Rolle übernahmen dafür Sterling Marlin und vor allem Fords Legende Bill Elliott. Der Vater von Supertalent Chase Elliott übernahm die Führung in Runde 178, doch ein weiterer Unfall auf der Gegengeraden zwischen Dale Earnhardt, Dale Jarrett und Ernie Irvan sollte den Druck auf den Schultern von Elliott noch einmal um ein Vielfaches erhöhen.

Während Gordon und Earnhardt nämlich Seite an Seite Ausgangs Kurve zwei um die zweite Position kämpften, verlor der „Intimitador“ die Kontrolle über seinen schwarzen Chevrolet und berührte die Außenmauer. Dale Jarrett, der unmittelbar hinter den beiden Fahrern die Jagd aufnahm, berührte das Heck von Earnhardt und schickte diesen in einen gefährlichen Überschlag. Ein weiterer schwerer Unfall für den „Man in Black“ auf einem Superspeedway und einmal mehr verfolgte ihn das Pech während eines Daytona 500.

Als Elliott und Gordon die gelbe Flagge zehn Runden vor Schluss entgegennahmen, buhten die Fans den Kalifornier im bunten Chevrolet Monte Carlo kräftig aus. Ein großer Reifenabdruck prangte an der rechten Seite von Jeff Gordons Wagen, als ein Symbol für seinen „ungeduldigen“ Überholversuch gegen Earnhardt.

Hatte Gordon lediglich einen Reifenabdruck am Wagen, so sah der Chevrolet von Earnhardt reif für die Schrottpresse aus. Nun ja, zumindest für den normalen Fan. Dale Earnhardt allerdings sah, dass der Wagen noch alle vier Reifen hatte:

„Ich bin raus aus dem Krankenwagen und fragte einen Typen ob der Wagen anspringen würde. Das tat der Wagen, also sagte ich zu allen, dass sie verschwinden sollen,“ erklärte Earnhardt den ungläubigen Reportern und Fans nach dem Rennen, welches er noch auf wundersamer Weise beendete. Der gesamte Wagen wurde mithilfe von Tape bei über 260 km/h zusammengehalten – ein wahnsinniges Unterfangen.

All dies interessierte Bill Elliott, Jeff Gordon und den Fahrern allerdings nicht viel, schließlich gab es noch das Great American Race zu gewinnen. Elliott allerdings fluchte vermutlich, als er während der Gelbphase in seinen Rückspiegel schaute: Alle Hendrick Motorsports Wagen befanden sich direkt hinter ihm, mit Gordon auf Position zwei und dessen Teamkollegen Labonte und Ricky Craven auf drei und vier. Das Chevrolet Team sprach sich ab und planten einen gemeinsamen Angriff gegen den wehrlosen Ford Fahrer.

Die Hendrick Motorsports Brigade überholte Elliott noch in der gleichen Runde des Restarts und drei Runden vor Schluss brach das Chaos am Ende von Kurve vier aus, als insgesamt zwölf Wagen miteinander kollidierten. Die restlichen Runden mussten aufgrund des riesigen Unfalls unter gelb zu Ende gefahren werden. Eine Green-White-Checkered Regel gab es damals noch nicht.Somit wurde Jeff Gordon zum jüngsten Sieger des Daytona 500 (bis 2011) gekrönt, während seine Teamkollegen für einen historischen dreifach Erfolg für Hendrick Motorsports im wichtigsten Rennen des Jahres sorgten.

Das Daytona 500 von 1997 wurde von draufgängerischer Entschlossenheit, Überraschungen und Teamarbeit geprägt. Ein weiterer Moment der NASCAR in Daytona, welcher bei den Fans bis heute nicht in Vergessenheit geraten ist.