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Daytona Erinnerungen #2: Als ein 20-jähriger das Daytona 500 gewann

Teil Zwei unserer Daytona Reihe erinnert an den unglaublichen Sieg von Trevor Bayne im Daytona 500 von 2011. Er sollte an jenem Tag der jüngste Sieger des Rennens werden.

Während Teil Eins über die sagenhafte Qualifikation von Brian Keselowski, dem älteren Bruder von NASCAR Sprint Cup Series Champion Brad Keselowski, für das Daytona 500 im Jahr 2011 handelte, sollte das eigentliche Rennen im selben Jahr noch eine viel größere Geschichte für die Fans bereithalten.

Als der unbekannte 19 Jahre alte Trevor Bayne gemeinsam mit dem berühmten Team namens “Wood Brothers Racing” in Daytona Beach zu Beginn der Speedweeks ankam, kannten nur die Wenigsten seinen Namen. 2010 beendete er seine erste volle NASCAR Xfinity Series Saison auf dem siebten Gesamtplatz, ohne große Zwischenfälle, die den Fans im Gedächtnis bleiben sollten.

Doch während den vielen Training Sessions auf dem schnellen und manchmal auch furchteinflössenden Daytona International Speedway wurde der Ford Fahrer, der schon damals bei Roush Fenway Racing unter Vertrag stand, schnell zu einem beliebten “drafting” Partner – schließlich war 2011 das Jahr der “tandems” auf den Superspeedways. Besonders der Legende und dem viermaligen Cup Champion Jeff Gordon fiel Gefallen an dem jungen Fahrer, was die anderen Fahrer dazu veranlassen ließ, dem Rookie zu vertrauen. Ein seltenes Unterfangen, da die meisten alten Hasen den unerfahrenen Piloten auf den Superspeedways aus dem Weg gehen.

Mit einem 19. Platz in seinem Qualifikationsrennen startete Bayne am 20. Februar 2011, ein Tag nach seinem 20. Geburtstag, lediglich von der 32. Position, was den Druck auf seinen Schultern ein wenig erleichterte; nachdem die Medien das Potenzial des Wood Brothers Fahrer für das Great American Race entdeckten. Überhaupt fragten sich viele Experten, ob das Traditionsteam, 35 Jahre nach dem letzten Daytona 500 Sieg, wieder in die Victory Lane des Heimatortes der NASCAR zurückkehren können. Für Möglich gehalten haben es allerdings nur wenige…

Die 182.000 Zuschauer vor Ort und knapp 16 Millionen vor dem Fernseher erlebten schon früh ein hitziges Rennen unter dem blauen Himmel von Daytona Beach im US-Bundesstaat Florida. Nachdem die Fans den zehn Jahre zuvor verstorbenen Dale Earnhardt in Runde drei Tribut leisteten, sollten die Fans in Runde fünf zum ersten Mal den Atem anhalten, als Kyle Busch mitten in Kurve zwei quer stand. Eine haarige Situation die noch einmal glimpflich ausging.

Doch der Big One ließ nicht lange auf sich warten: David Reutimann kollidierte mit Teamkollege Michael Waltrip in Runde 29, was einen Unfall mit insgesamt 17 Fahrzeugen auslöste; darunter die Favoriten Johnson, Martin und Gordon.

Für Trevor Bayne blieb das Rennen bis dato relativ ruhig, so, wie man es sich für sein zweites Sprint Cup Rennen in seiner Karriere normalerweise auch wünscht. Dies sollte bis kurz vor Schluss auch so bleiben. In Runde 197 musste das Pace Car zum 15. mal auf die Strecke, um das Feld einzusammeln. Klar war: Das Rennen geht in die Verlängerung und das mit zwei Fahrern in Führung, die noch nie ein Sprint Cup Rennen gewannen – David Ragan und Trevor Bayne, die sich zwischenzeitlich nach vorne gemausert haben.

In Runde 202, der Start zum ersten Green-White-Checkered Versuch, wurde David Ragan zu einer Durchfahrtsstrafe verurteilt, da der Roush Fenway Racing Fahrer zu früh die Linie wechselte, weil er gemeinsam mit Trevor Bayne arbeiten wollte. Nur wenige Augenblicke später krachte es auf der Gegengeraden und ausgerechnet Publikumsliebling Dale Earnhardt Jr. fand sich gemeinsam mit Ryan Newman und Martin Truex Jr. in der Mauer wieder. Dies veranlasste die NASCAR zu einem zweiten, von insgesamt drei möglichen, Green-White-Checkered Versuch mit Trevor Bayne in Führung.

Sollte er tatsächlich das Great American Race in seinem zweiten Cup Start gewinnen. Dies fragten sich nicht nur die Zuschauer und Kommentatoren, sondern Millionen vor dem Fernseher. Das Rennen, wofür der große Dale Earnhardt 20 Versuche benötigte? Das Rennen, wofür der dreimalige Cup Champion Darrell Waltrip 17 Versuche benötigte?

Mit Bobby Labonte an seiner Stoßstange ging es in die finalen zwei Runden. Die weiße Flagge flog in die Luft und das Dou bestehend aus Carl Edwards und David Gilliland kam mit großen Schritten an Bayne/Labonte heran. Und trotz das sich Carl Edwards an Labonte Ausgangs Kurve vier vorbeiquetschte, reichte es für den jungen Trevor Bayne der es kaum fassen konnte. Die Zuschauer tobten auf den Rängen und die Kommentatoren waren außer sich vor Aufregung.

“Träume ich gerade,” schrie Trevor Bayne fragend und gerührt ins Team-Radio. Nein, das tat er nicht. An jenem Tag änderte sich das Leben vom unbekannten Trevor Bayne drastisch. Er hat nicht nur die Wood Brothers nach über zehn Jahren wieder in die Victory Lane zurückgebracht, sondern auch den größtmöglichen Erfolg neben der Meisterschaft in der NASCAR errungen.

“Ich denke weiterhin, dass ich träume. Unser erstes 500…, wollt ihr mich veräppeln? Im erst zweiten Rennen zu gewinnen…, ich mein, dass ist unglaublich,” sagte ein nach Worte ringender Bayne in der Victory Lane in die Fernsehkameras. “Wie cool ist es, die Wood Brothers wieder in der Victory Lane zu sehen? Es ist verrückt meinen ersten Sieg zu feiern, bevor ich ein Nationwide Sieg habe. Ich wusste noch nicht mal wie ich in die Victory Lane überhaupt komme.”

An diesem sonnigen 20. Februar 2011 gewann Trevor Bayne nicht nur das größte Rennen des Stockcar Sports, sondern auch die Herzen der Fans. Einmal mehr hat Daytona bewiesen, dass alles möglich ist auf der 2,5 Meilen langen Strecken.

Vier Jahre später kehrt Trevor Bayne nun als Vollzeitfahrer für Roush Fenway Racing nach Daytona zurück; mit dem Bestreben nach seinem zweiten Daytona 500 Sieg.

https://www.youtube.com/watch?v=tHWs8AhIBFw