Vorschau – Ford EcoBoost 400 in Miami 2014

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An diesem Sonntag findet das finale Sprint Cup Rennen dieser Saison statt. Im sonnigen Miami wird sich entscheiden, ob Harvick, Logano, Newman oder Hamlin der neue Champion wird. 

nscs_homestead_fordecoboost400Es lässt sich auf eine lange Saison zurückblicken, welche mit einem großen Tohuwabohu rund um Dale Earnhardt Juniors zweiten Daytona 500 Sieg begann und nun mit einem spannenden Rennen auf dem Homestead-Miami Speedway enden soll.

Zum ersten Mal in der 66-jährigen Geschichte der NASCAR entscheidet ein einziges Rennen über die Vergabe der heutzutage begehrtesten Trophäe im amerikanischen Motorsport. Vier Fahrer haben sich in und durch den Chase gekämpft und werden die Meisterschaft am Sonntag Abend ab 21:15 Uhr unter sich ausfahren.

Die Rollenverteilung der vier Fahrer könnte nicht unterschiedlicher und spannender sein.

Der Favorit: Kevin Harvick

Zum einen haben wir den Favoriten [highlight]Kevin Harvick[/highlight] der mit einem dominanten Sieg am vergangenen Sonntag auf dem Phoenix International Raceway sein Final-Ticket erfolgreich einlöste und nun um seinen ersten Sprint Cup Titel fahren darf. Neben drei weiteren Siegen in diesem Jahr glänzte der 38-jährige in seinem ersten Jahr bei Stewart-Haas Racing Woche für Woche mit schnellen Rennwagen und konnte teilweise nur durch Materialfehler gestoppt werden. Doch gerade eben jene Materialfehler stellen am Sonntag eine große Gefahr da, schließlich ist die Perfektion im letzten 400 Meilen Rennen essentiell.

Doch hält das Material, sollte einem Erfolg nichts mehr im Wege stehen. Zumindest wenn man sich nach den Statistiken richtet. Der ehemalige Richard Childress Racing Fahrer führte in diesem Jahr so viele Runden an wie kein anderer und hat den besten Ergebnis-Durchschnitt der vier Chase Fahrer.

Dessen ungeachtet ist es für Harvick immer noch ein Traum, gleich im ersten Jahr für Stewart-Haas Racing um die Meisterschaft fahren zu können:

„Es ist wie ein Traum. Du hast all dies auf dem Papier geplant und zusammen immer wieder gesagt ‚Das müssen wir tun, damit wir um Siege und Meisterschaften fahren können‘. Und plötzlich bist du nur noch eine Woche von dem Ziel entfernt, über welches du das ganze Jahr sprichst und geträumt hast. Nun sind wir hier.“

Auch für seinen Crew Chief Rodney Childers ist es eine fast schon unglaubliche Situation, in der er sich und sein Schützling befinden. Auch er ließ bei Michael Waltrip Racing alles stehen und liegen, um bei Stewart-Haas Racing ein neues Team von Grund auf hochzuziehen.

„Es war eine wirklich schwere Entscheidung die ich treffen musste,“ räumt Childers ein. „Ich habe jeden einzelnen dort drüben (Michael Waltrip Racing) geliebt und hätte alles Mögliche für sie getan. Es ist schwierig so eine Beziehung hinter sich zu lassen. Das Gute an der ganzen Geschichte ist, dass nun alles so passiert ist, wie ich es mir gewünscht habe und wovon ich jede Nacht träumte. Jeder möchte in seinem Leben eine große Chance, egal ob im Motorsport oder generell im Leben.“

Logano: „Ich bin der Meinung, dass ich das beste Team hinter mir habe“

Doch die Konkurrenz sitzt Kevin Harvick im Nacken und muss sich auf keinster Weise verstecken. [highlight]Joey Logano[/highlight], „The Young Gun“, dürfte neben Harvick der zweite Top-Favorit auf den Titel sein. Mit fünf Saisonsiege hat er mehr Siege als jeder andere verbliebene Chase-Fahrer und hat mit Team Penske ein wahres Power-Team hinter seinem Rücken. Schließlich gewann das Ford Team mit nur zwei Fahrern grandiose elf Rennen. Das weiß auch der 24 Jahre alte, amerikanische Rennfahrer:

„Ich bin der Meinung, dass ich das beste Team in dieser Garage hinter mir habe. Jeder einzelne hat es verdient im Finale dabei sein zu können und wir haben dies das ganze Jahr lang bewiesen. Ich bin froh hier zu sein und um die Meisterschaft fahren zu können,“ erklärt Logano.

Es wäre einer dieser Geschichten, die man nicht so schnell vergessen würde. Noch vor guten zwei Jahren galt der damals noch bei Joe Gibbs

(c) NASCAR Media
(c) NASCAR Media

Racing fahrende Pilot als „ewiges Talent“ der es auf der ganz großen Bühne nicht bis ganz nach oben schaffen würde. Denn schon seit 2008, also im zarten Alter von 18 Jahren, durfte sich der schlaksige Fahrer im NASCAR Sprint Cup beweisen. Die Erwartungen waren groß. Man sprach vom „nächsten Jeff Gordon“, doch er wurde den hochgesteckten Anforderungen an ihm nicht gerecht. Die Anzahl an Kritikern wuchs, sowie vermutlich der Frust bei Logano selber.

Ende 2012 kam der Cut und er wechselt vom Toyota Team zu seinem heutigen Arbeitgeber Team Penske und zeigt sich seitdem von einer komplett neuen Seite. Selbstbewusst und mit viel Spaß zeigt er sich Woche für Woche in den Interviews und hat mit Sprint Cup Champion Brad Keselowski den wohl perfekten Teamkollegen gefunden. Es ist kein Geheimnis das die beiden wunderbar zusammen harmonisieren und die elf Saisonsiege des Teams unterstreichen die These deutlich.

Und auch seine Statistiken sprechen für sich. Mit einer phänomenalen Durchschnittsplatzierung von 8,5 in den letzten neun Chase Rennen steht er in der Rangliste ganz oben und konnte auf den 1,5 Meilen Strecken sowohl zwei Siege als auch sechs Top 5 Ergebnisse ergattern. Joey Logano hat am Sonntag die Chance, all seine Kritiker für immer und ewig zum Schweigen zu bringen. Das Team und er haben das Zeug dazu.

Newman: „Das schnellste Auto muss am Sonntag nicht unbedingt der Sieger sein.“

Trotz seiner vielen, vielen Jahre im Sport, gilt [highlight]Ryan Newman[/highlight] in dieser Woche als „Underdog“.

Quicken Loans Race for Heroes 500 - Practice
(c) NASCAR Media

Verdrängt von Harvick, musste er sich im vergangenen Jahr ein neues Cockpit für die diesjährige Saison suchen und fand bei dem traditionsreichen Team von Richard Childress Unterschlupf. Während meistens das Spotlight auf Sprint Cup Rookie Austin Dillon schien, konnte sich der gelernte Ingenieur still und heimlich in den Chase fahren. Auch im Chase sah und hörte man von ihm nicht wirklich und erst in Phoenix wurde man auf ihn so richtig aufmerksam, als er in der letzten Runde mit einem kontroversen Manöver Kyle Larson aus dem Weg schob. Plötzlich stand er im Finale des Chase und nicht der viermalige Cup Champion Jeff Gordon von Hendrick Motorsports. Eine beachtliche Leistung, schließlich konnte er bisher noch kein einziges Rennen in dieser Saison gewinnen und die Chance ist hoch, dass dies auch so bleiben wird.

Das weiß auch Newman. Beunruhigen tut ihn das aber zumindest äußerlich nicht. Mutig und selbstbewusst gab er sich in den vergangenen Tagen und erinnert die Fans und Reporter an seine Konstanz, die ihn ins Finale gebracht hat. Er glaubt an seine Chance, den Titel am Sonntag zu gewinnen.

„Solltest du ein konstant schnelles Fahrzeug auf einem längeren Stint haben, hast du die Chance für einen richtig guten Tag in Miami. Es gewinnt vielleicht nicht das schnellste Auto am Sonntag. Man weiß nie. Die Meisterschaft könnte auch ein Spritpoker werden oder es gibt einen späten Restart. Du weißt nie was passieren kann und deshalb glaube ich fest daran, dass wir ebenfalls gute Chancen haben. Das schnellste Auto muss am Sonntag nicht unbedingt der Sieger sein,“ erklärt Ryan Newman.

2010 die Meisterschaft verloren: Nun die zweite Chance für Denny Hamlin

Es gibt einen weisen Spruch in der Welt des Sports, der besagt, dass man zunächst eine Meisterschaft verlieren muss, um eine gewinnen zu können.

Dies könnte am Sonntag auf Überraschungs-Finalist [highlight]Denny Hamlin[/highlight] zutreffen, der vor vier Jahren als Führender in den Punkten im Kampf mit Jimmie Johnson in das Miami Rennen ging und nach einem durchwachsenden Rennen enttäuschend gegen den Hendrick Motorsports Fahrer verlor. Mit 33 Punkten Vorsprung ging er in die letzten zwei Meisterschaftsrennen und trotzdem hielt er dem Druck nicht stand. Frustration und Enttäuschung breiteten sich 2011 aus und bis zu dieser Woche konnte er an die Leistungen von 2010 nicht mehr anknüpfen.

Doch nun ist er als Fahrer und Mensch gereift. Locker und entspannt zeigt er sich in dieser Woche den Medien und twitterte, dass dies „die

Denny Hamlin. - (c) NASCAR Media
Denny Hamlin. – (c) NASCAR Media

spaßigste Woche“ in seiner Motorsportkarriere sein wird. „Kein Druck, nur Spaß“. Es hätte „niemand daran geglaubt, dass wir hier sein werden“. Nun sei es an der Zeit den „Moment zu genießen“.

„Wir dominierten den Chase und wir waren die Favoriten,“ erinnert sich Hamlin mit geschlossenen Augen in einem Interview mit ESPN. „Ich erinnere mich noch an den Druck, den ich damals mit an den Start genommen haben. Wir hatten eine gute Führung vor dem Rennen in Homestead und ich dachte mir immer nur ‚Hey, solange Jimmie Johnson direkt vor mir ist, wird alles gut. Solange ich ihn sehe werden wir Meister sein.’… Doch so kam es nicht.“

Er beendete das Rennen auf dem 14. Platz und verlor somit die Meisterschaft gegen Jimmie Johnson, der zweiter wurde. Allerdings hat Hamlin längst mit der Saison vor vier Jahren abgeschlossen. Nun ist nicht er der Favorit, sondern der Fahrer, der alle überraschen kann. Das er und sein Team das Zeug dazu hat, weiß Hamlin:

„Jeder weiß, dass in einem Rennen vieles passieren kann. Ich habe alle Möglichkeiten die man braucht, um eine Meisterschaft zu gewinnen. Nun geht es nur noch um die Ausführung.“

Vier Fahrer. Vier Geschichten. Vier Rollen. Ein Favorit, ein Youngster, ein Underdog und ein Mann, der eine Meisterschaft tragisch verlor.

Und nur ein Rennen.

Man darf gespannt sein, wer am späten Sonntag Abend als Champion feiern wird und welche drei Fahrer traurig den Platz räumen müssen. Ab 20:00 Uhr auf MotorvisionTV (Sky) könnt ihr Live dabei sein, wenn Pete Fink und Stefan Heinrich euch zum Finale einladen.

 

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