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Chase 2014: “Dies ist das Beste was dem Sport in einer langen Zeit passierte”

Neun von zehn Rennen sind in den Geschichtsbüchern und mittlerweile konnte sich jeder ein Bild des neuen Chase-Formats machen. Die Fahrer sind begeistert, die Fans zwiesgespalten.

Groß war die Aufregung, als die NASCAR gemeinsam mit dem NASCAR Vorsitzenden Brian France das neue System des Chase am Anfang des Jahres stolz präsentierte. Tätigte man 2004 den ersten, mutigen Schritt in Richtung eines Playoff-Formats am Ende der Saison, ging man dieses Jahr noch radikaler und aggressiver an die ganze Sache heran. Ergebnis war ein modifizierter Chase mit drei Runden á drei Rennen inklusive Ausscheidungen und einem alle entscheidenden Finale, in welchem vier Fahrer um den Gewinn der Meisterschaft kämpfen.

Skepsis verbreitete sich in der NASCAR Nation, insbesondere bei den Traditionalisten. Als “unfair”, “lächerlich” und “unsportlich” wurde das neue, gewagte Format vor der Saison 2014 abgestempelt, obwohl die NASCAR den Fan-Wünschen (‘Siege sollen mehr Bedeutung bekommen’) gerecht wurde.

Im Laufe der Saison teilte sich die NASCAR Nation in zwei Lager – Pro-, und Contra-Chase. Vielen Zuschauern auf der Strecke und vor de Fernseher gefiel es, wie die Fahrer Woche für Woche um einen Saisonsieg kämpften, damit sie sicher im finalen 10-Rennen Sprint um die Meisterschaft dabei sind. Die Leute die gegen den Chase waren bzw. sind, argumentieren über das umstrittene letzte Rennen in Miami, welches über eine ganze Saison entscheidet. Mit Recht, schließlich gilt im Motorsport bis heute die Konstanz eines Fahrers als Mittel zum Erfolg. So war bis 2004 jedes einzelne Meisterschaftsrennen ein Finale und ab besagtem Jahr die letzten zehn Rennen.

In diesem Chase stehen also Siege im Vordergrund und dadurch ist Ryan Newman ein gefundenes Fressen, der es ohne einen einzigen Sieg bis in das Finale geschafft hat. Ein Titelgewinn am Sonntag ist ebenfalls durchaus im Rahmen der Möglichkeit. Während viele Fans also ein Problem mit einem sieglosen Champion hätten, blickt Brian France von der NASCAR gespannt auf die Situation:

“Wir hätten damit kein Problem,” so France vor einigen Tagen in einem Interview gegenüber dem Radiosender ‘Sirius XM NASCAR’. “Dies kann in jedem Format passieren, welches wir hatten. In jedem einzelnen. Teams in anderen Sportarten können trotz einer negativen Bilanz, in der regulären Saison, am Ende beispielsweise den Super Bowl oder die World Series gewinnen. Sowas passiert schnell und überall. Für manche Leute mag das vielleicht nicht richtig sein. Wir sind aber der Meinung, dass es ein ausbalanciertes Format ist.”

Alles in allem seien sie “mit dem Racing zufrieden”, wie Brian France in dem erläuterten Interview weiter erklärte.

Und in der Tat, der Chase trägt seine ersten Früchte. Die Kontroversen rund um Brad Keselowski, Matt Kenseth, Jeff Gordon und dem neusten Zwischenfall seitens Ryan Newman und Kyle Larson stellen die hohen psychischen Ansprüche an die Fahrer wunderbar dar. Die Nerven lagen blank und führten zu Fehler und gleichzeitig zu Gesprächsstoff. Hin und wieder schaffte es die NASCAR auf ein paar Titelseiten amerikanischer Zeitungsverlage und die Sozialen Netzwerke sind von hitzigen Diskussionen zwischen verschiedenen Fahrer-Fans gepflastert. Auch konnte man in Phoenix einen TV-Quoten Rekord verbuchen. Mit einem 2.8 Rating heimste der Fernsehsender ESPN die höchste Quote seit fünf Jahren in einem Phoenix Rennen ein. Ein achtbarer Erfolg.

Auch Chase-Finalist Denny Hamlin ist mit dem neuen Format sehr zufrieden, wie er nach dem Phoenix Rennen gegenüber den Reportern zugab: “Jedes Rennen ist sehr spannend. Bei jedem Restart kann man mit einem waghalsigen Manöver eines Chase-Fahrers rechnen, was einem natürlich den Atem anhalten lässt. Dies ist das Beste was dem Sport in einer langen Zeit passieren konnte!”.

Ähnlich sieht es der viermalige Cup Champion Jeff Gordon, der trotz eines zweiten Platzes in Phoenix aus dem Chase ausgeschieden ist: “Dieser Chase hat eine sehr intensive Wirkung auf uns. Der Sport bekommt so viel Aufmerksamkeit wie schon lange nicht mehr, also ist dieses Format offensichtlich gut. Ich glaube das einzige was ich zur Zeit nicht am Chase mag, dass ich nun nicht mehr in der nächsten Runde bin,” fügte der Hendrick Motorsports Fahrer zwinkernd hinzu.

Doch auch mahnende Worte fand er: “Ich mache mir ein wenig Sorgen, wo das ganze hingehen könnte. Ich mein, letzte Woche (Texas) haben wir uns kämpfend in der Boxengasse gefunden und ich bin der Meinung, dass das schnell auf die Rennstrecke wandern kann. Zwar ist dies noch nicht passiert, aber die Chance dazu ist relativ hoch.”

Wie auch immer, der Chase hat eines geschafft: Zu polarisieren. Man darf davon ausgehen, dank der TV-Quoten von Phoenix, dass an diesem Sonntag Abend viele Interessierte außerhalb der regulären NASCAR TV-Zuschauer in das finale Rennen einschalten werden, um den (hoffentlichn) spannenden Kampf zwischen dem Quartett Harvick-Logano-Newman-Hamlin zu beobachten. Und selbst wenn nur einige Tausende wiederkommen, ist es in den Zeiten von schwindenden TV-Zahlen und Zuschauerzahlen vor Ort ein achtbarer Erfolg. Stillstand ist in der heutigen Zeit Rückstand und Unterhaltung ist zumindest in Amerika momentan höher angesiedelt als der sportliche Wert. Eins dürfte jeden klar sein: An diesen Chase wird man sich dank Keselowski, Gordon und Co. noch in zwei, drei Jahren gut erinnern können. Und das Beste kommt schließlich noch: ein Vierkampf um die Krone des amerikanischen Motorsports!

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