Dale Jr. siegt in Martinsville

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Die Rennstrecke erbebte, als Dale Earnhardt Jr. die Ziellinie erreichte und seinen ersten Martinsville Sieg in seiner Karriere feiern durfte. – Mehrere Fahrer gerieten auf der Strecke aneinander.

Jahr für Jahr hat Dale Earnhardt Jr. seinen Kindheitstraum verfolgt, wenn er und sein Team zum Martinsville Speedway zurückkehrten. Einmal wollte er die ulkige Standuhr, die als Trophäe für den Sieger eines Martinsville Rennen angefertigt wird, mit nach Hause nehmen. Oft verpasste er diesen Traum nur knapp, doch am Sonntag sollte der Traum ein für alle mal in Erfüllung gehen. Ein toller Traum, schließlich gibt es heutzutage nicht mehr viele Piloten, die lediglich für eine Trophäe um den Rennsieg kämpfen.

Dadurch das der Hendrick Motorsports Pilot in der vergangenen Woche nach Talladega aus dem diesjährigen Chase ausgeschieden ist, konnte Earnhardt Jr. befreit in das 500 Runden lange Rennen gehen, mit dem Ziel das Rennen zu gewinnen. Bedacht und klug bestritt er das gut besuchte Rennen und hielt sich anfangs aus jeglichen Scharmützeln heraus und schonte insbesondere seine Bremsen, um zum Ende hin die richtige Aggressivität zu zeigen und die geschonten Bremsen auszunutzen.

Die vorsichtige Fahrweise während dem Rennen erwies sich in den letzten 100 Runden als ein großer Vorteil, schließlich mussten mehrere seiner Konkurrent wie zum Beispiel sein Teamkollege Jeff Gordon hart dafür zu kämpfen, um nach vorne zu kommen aufgrund einer schlechten Qualifikation und fahrlässige Fehler in der Box.

So hatte Dale Jr. das eindeutig bessere Fahrzeug und nutzte dies eiskalt beim letzten Restart fünf Runden vor Schluss aus und überholte die auf der Strecke gebliebenen Ragan, Stenhouse Jr. und Stewart, während er in der Caution vier frische Reifen aufzog. Auch ein Jeff Gordon konnte ihn nicht mehr einholen.

„Wir haben so oft versucht hier zu gewinnen und sind so oft gescheitert. Dieser Ort ist wirklich etwas besonderes für mich. Ein sehr emotionaler Sieg,“ erklärte Dale Earnhardt Jr. nach dem Rennen in der Victory Lane. „Ich kann es noch nicht glauben das wir heute gewonnen haben.“

Doch nicht nur für ihn war es ein besonderer Moment, sondern für jeden einzelnen Angestellten von Hendrick Motorsports und insbesondere für den Chef persönlich, Rick Hendrick. Vor fast exakt zehn Jahren geschah ein Flugzeugabsturz, welches auf den Weg nach Martinsville war. Unter den Insassen waren Rick Hendricks Bruder, Nichten, Angestellte und sein einziger Sohn Ricky.

„Ich bin gerade sehr gerührt. Für uns alle bedeutet dies sehr viel,“ so Dale Jr. „Ich habe mein Vater früh verloren und ich weiß, wie schwer das sein kann, dass zu verarbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, so viele Menschen die einem so viel bedeuten, auf einem Schlag zu verlieren. Meine Gedanken sind bei Rick.“

Goody's Headache Relief Shot 500
(c) Chris Trotman/NASCAR via Getty Images

Kommt man zurück zum sportlichen, erwartet einem nun eine sehr interessante Ausgangslage. Durch den Sieg eines „Nicht-Chasers“ werden nun mindestens zwei Chase-Positionen für Miami per Punkte entschieden, was natürlich in die Karten von Fahrern wie Carl Edwards oder Ryan Newman spielt, die nicht unbedingt in der Lage sind, um den Sieg mitzufahren. Doch die Chancen für die beiden sind während dem Martinsville Rennen noch um einiges mehr gestiegen: Titelfavorit Kevin Harvick kollidierte in Runde 229 mit Joe Gibbs Racing Fahrer Matt Kenseth und musste anschließend aufgrund des schwer beschädigten Fahrzeugs in die Garage. Wirklich geholfen haben die umfangreichen Reparaturen allerdings nichts mehr und so beendete er das Rennen auf einem sehr enttäuschenden 33. Rang.

Auch Brad Keselowski wurde einmal mehr vom Pech verfolgt. Nachdem er sich in Talladega nochmal aus der Schlinge ziehen konnte, liegt er nun in den Punkten erneut bedrohlich weit hinten, denn auch er beendete das Rennen nur auf Platz 31. Schuld war das beschädigte Getriebe, welches genau während einem Restart in Runde 438 sein Geist aufgab und einen Big One auf der Start Ziel Geraden auslöste. Beide Fahrer – Keselowski und Harvick – liegen nun 27 bzw. 29 Punkte hinter dem viertplatzierten Matt Kenseth. Ein Sieg erscheint nicht mehr unausweichlich, wenn sie in Miami am 16. November um den „Sprint Cup“ mitfahren möchten.

Das weiß auch Kevin Harvick, der Matt Kenseth schon eine durchaus verärgerte Nachricht zu kommen ließ: „Er wird die Meisterschaft nicht gewinnen. Sollten wir es nicht tun, dann wird er es auch nicht tun.“ und traf somit den Tenor des Tages. Denn nicht nur die Chase gerieten aneinander, sondern auch die Ex-Teamkollegen Brian Vickers und Kasey Kahne!

Goody's Headache Relief Shot 500
(c) Jared C. Tilton/NASCAR via Getty Images

Die durchaus amüsante Rivalität begann in Runde 161 als Kasey Kahne Gefahr lief, von Jeff Gordon überrundet zu werden und wollte sich nun möglichst viel Platz zwischen sich und Gordon schnell Platz verschaffen, um keine Runde zu verlieren. In Kurve vier berührte er während eines Überholvorgangs Brian Vickers, der sich anschließend drehte. Gewollt war dies nicht, wie Kahne später in einem Fernsehinterview erklärte.

„Ich überholte ihn, doch er drängte mich Richtung Innenmauer auf der Gegengeraden, oder versuchte es zumindest. Also ging ich vom Gas. Dann blockte er mich in Kurve drei oben und ich versuchte nun runterzugehen, was er ebenfalls machte und mich dann berührte und sich drehte.“

Brian Vickers sah das völlig anders: „Er hat uns definitiv mit Absicht gedreht beim ersten mal, dazu muss man sich nur das Video anschauen. Er fuhr an unser Heck und drehte uns einfach und ich weiß wirklich nicht warum.“

Lediglich 60 Runden dauerte es, bis sich die beiden Fahrer erneut nach dem Zwischenfall auf der Strecke begegneten. Vickers nutzte die Chance und schob den Chevrolet SS von Kahne in Turn 1 in die Außenmauer, worauf Kahne anschließend in die Garage fuhr, da die Beschädigungen am Wagen zu groß waren. Seine Crew reparierte den Wagen so gut wie es ging und in Runde 278 drehte Kahne erneut den Toyota Fahrer. Nun schaltete sich die NASCAR ein und drohte beiden Fahrern mit einer Disqualifizierung. Von dort an gab es Ruhe.

Überhaupt war das Rennen mit 15 Cautions sehr zerfahren, doch stets spannend und anschaulich. Alles in allem erwartet uns nun ein interessanter Kampf um die vier Final-Startplätze. Gordon hält nun die Punkteführung und stände gemeinsam mit Ryan Newman, Joey Logano und Matt Kenseth im Finale. Doch da mit Texas und Phoenix noch zwei Rennen verbleiben, ist noch alles offen.