Vorschau – Geico 500 in Talladega 2014

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Die Lotterie nimmt wieder Fahrt auf: Talladega entscheidet an diesem Wochenende über Weiterkommen und Ausscheiden!

nscs_talladega_geico500_dkAusgerechnet Talladega ist das dritte Rennen in der zweiten Runde des diesjährigen Chase und ist somit gleichzeitig der Austragungsort, wo die nächsten vier Fahrer aus dem hart umkämpften Chase rausfliegen. Gab es nach der ersten Runde mit den ausgeschiedenen Fahrern namens Kurt Busch, AJ Allmendinger, Aric Almirola und Greg Biffle noch keine wirkliche Überraschung, könnte es an diesem Wochenende zu einem wahren „Gamechanger“ kommen, wie die Amerikaner es immer gerne ausdrücken. Mit Sprint Cup Champion (2012) Brad Keselowski, Jimmie Johnson dem sechsmaligen Champion und Dale Earnhardt Jr., populärster Fahrer in der NASCAR, stehen drei Fahrer an der Klippe, die man vor Kansas noch zu den großen Meisterkandidaten zählte. Doch nun steht vor dem dritten Rennen alles auf dem Spiel: Geld, Stolz, Ehre und der Sprint Cup.

Doch in Talladega ist alles möglich. Sowohl im guten, wie auch im schlechten. Mit einer Länge von 2,66 Meilen – dies entspricht circa 4,28 Kilometern – gehört die Strecke im „good ol'“ Alabama zu den Superspeedways und ist somit gleichzeitig die gleiche Lotterie wie es der Daytona International Speedway ist. 43 Fahrer dürfen starten, 43 Fahrer haben fast die gleiche Chance das Rennen für sich zu entscheiden. So lautet die allgemeine Faustregel, schließlich werden die über 900 PS starken Motoren mithilfe von ‚restrictor plates‘ (zu Deutsch „Luftmengenbegrenzer“) um ungefähr die Hälfte der Leistung gedrosselt. Diese Regelung wurde im Jahre 1988 eingeführt, um die Sicherheit der Fahrer und Zuschauer zu erhöhen.

Dies hatte allerdings auch automatisch zur Folge gehabt, dass die V8 angetriebenen Stockcars noch enger beisammen fahren. Teils zu dritt oder gar zu viert nebeneinander. Bei Geschwindigkeiten von über 190 Meilen pro Stunde (305 km/h) braucht man kein Experte zu sein, um zu wissen was passieren kann, wenn lediglich ein Fahrer in dem großen Pulk an Autos einen Fehler macht. Der Big One, so die Bezeichnung von Unfällen in denen große Mengen an Wagen involviert sind, ist meistens leider ein fester Bestandteil der Superspeedway Rennen.

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Durch diese Konstellation schwebt die Furcht der Fahrer vor diesem Rennen über den Talladega Superspeedway wie der Geruch von frischem gegrillten Fleisch aus dem Infield, wo tausende von Fans mit ihren Wohnmobilen campen und eine schöne Zeit an der Rennstrecke miteinander verbringen. Welche Strategie ist also die richtige bei solch einem Rennen? Hinterherfahren, Unfällen ausweichen und erst zum Schluss attackieren? Oder um die Führung fahren, damit man das Pulk im Rückspiegel hat? Es hilft alles nichts, meint zumindest der dreimalige Daytona 500 Champion Jeff Gordon.

„Es gibt keine Strategie die dich sicher ins Ziel führt,“ so der viermalige Cup Champion Jeff Gordon auf der Teamseite von Hendrick Motorsports.

Ein gewohntes Bild in Talladega. - (c) Sean Gardner / Getty Images via NASCARMedia
Ein gewohntes Bild in Talladega. – (c) Sean Gardner / Getty Images via NASCARMedia

„Ich habe über all die Jahre alle erdenklichen Strategien ausprobiert und in allen war ich erfolglos und nur gelegentlich erfolgreich. Wir kamen irgendwann zu dem Punkt wo wir sagten ‚Ok, wir haben uns vorne qualifiziert, also versuchen wir auch dort zu bleiben‘ und sind trotzdem in große Unfälle verwickelt worden. Es gibt kein sicheren Platz an diesem Ort,“ so die erschütternde Erkenntnis.

Sein Teamkollege Kasey Kahne, der lediglich ein Punkt Vorsprung auf Matt Kenseth dem neunplatzierten (acht Fahrer qualifizieren sich für die nächste Runde) hat, stimmt ihm zu: „Selbst wenn du einen wirklich guten Tag erwischt, können sich die Dinge hier in Talladega schnell ändern. Du kannst auf Platz drei fahren, du kannst führen und du kannst in der Mitte oder hinten fahren; ich bin in jeder erdenklichen Position im Feld in der Mauer gelandet. So läuft das hier einfach.“

Beide stellten klar, dass sie am Sonntag konstant um die Führung fahren wollen und sehen was passiert. Das gleiche gilt für Hendrick Motorsports Teamkollege Dale Earnhardt Jr., der mit einem 26 Punkte Rückstand auf Kahne dem achtplatzierten jede Menge Glück benötigt. Im besten Fall natürlich ein Sieg, doch diesen brauchen Jimmie Johnson (-26) und Brad Keselowski (-19) am besten auch.

„Wir gehen nach Talladega um zu gewinnen,“ so ein zuversichtlicher Dale Earnhardt Jr. gegenüber der Associated Press, der im Februar das Daytona 500 gewinnen konnte. „Wir hatten jetzt zwei wirklich schlechte Rennen und haben trotzdem noch die Chance, um die Meisterschaft zu fahren. Wir schätzen das sehr,“ mit Augenmerk auf das neue System des Chase. Doch egal was am Sonntag passieren wird, er ist „nach wie vor ein Fan“ des neuen Chase mit den Eliminierungen nach jedem dritten Rennen.

Pos. Name Punkte auf P9 / hinter P8
01 Joey Logano +32 (Sieg in Kansas => qualifiziert)
02 Kyle Busch +26
03 Kevin Harvick +25 (Sieg in Charlotte => qualifiziert)
04 Ryan Newman +21
05 Carl Edwards +20
06 Jeff Gordon +18
07 Denny Hamlin +17
08 Kasey Kahne +1
09 Matt Kenseth -1
10 Brad Keselowski -19
11 Jimmie Johnson -26
12 Dale Earnhardt Jr. -26

Wie man der Tabelle entnehmen kann, ist in Talladega noch alles offen für die Fahrer. Eine Unachtsamkeit eines Fahrers und man selber kann urplötzlich in die roten Rängen rutschen. Doch man kann genau so schnell in den Top 8 in den Punkten stehen. Bis auf Joey Logano und Kevin Harvick die in Kansas bzw. Charlotte gewonnen haben, darf sich noch niemand ausruhen und muss in Talladega bangen, damit er sich für die dritte Runde des Chase qualifizieren kann.

Auf der Entry Liste sind für dieses Wochenende insgesamt 46 Wagen angemeldet, die das Rennen auf der schnellsten geschlossenen Rennstrecke in Amerika bestreiten wollen. Dies bedeutet, dass insgesamt drei Fahrer und deren Teams nach der Qualifikation am Samstag ihre Heimreise vorzeitig antreten müssen. Schließlich können auch hier nur 43 Wagen am Rennen teilnehmen. „Neu“ dabei sind der Youngster Ryan Blaney in der #12 für Team Penske, Trevor Blaney für die Wood Brothers in der bekannten #21, Joe Nemechek der für Owner Robby Benton die #29 pilotieren wird, Terry Labonte der seinen 890. Start im Sprint Cup wagen wird, Mike Wallace in der #49 und zu guter letzt Michael Waltrip in der #66 für sein eigenes Team. Qualifizieren müssen sich Blaney, Nemechek und Wallace.

Alles in allem erwartet uns ein sehr spannender Sonntag Abend, welchen ihr Live ab 19:00 Uhr bei MotorvisionTV verfolgen könnt. Auch darf man gespannt sein, wie sich das Racing in dem 500 Meilen Rennen entwickeln wird. Darf man ein Feuerwerk mit 3-Wide Racing wie im vergangenen Herbst-Rennen von Talladega im letzten Jahr erwarten, oder fahren die Piloten punkteorientiert in einer Linie vorsichtig um den Kurs? Beides sind wahrscheinliche Szenarien für das Geico 500 auf dem Talladega Superspeedway. Und überhaupt: Wer wird wem in der Schlussphase behilflich sein? Gute Freunde und Kontakte auf der Rennstrecke sind an diesem Wochenende durchaus von Vorteil…