Handgreiflichkeiten zwischen Kenseth und Keselowski

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Nach dem Rennen ging es in der Sprint Cup Garage hoch her: Matt Kenseth und Brad Keselowski gerieten aneinander und auch Denny Hamlin und Tony Stewart waren involviert!

Dramen, Emotionen und Spannung. All das versprach uns die NASCAR vor Saisonbeginn, als sie den „Chase for the NASCAR Sprint Cup“ revolutionierte und ein K.O.-System in den letzten zehn Rennen Sprint um die Meisterschaft einbaute. Und mindestens zwei von diesen Faktoren kamen auch an diesem Wochenende wieder zur Geltung und wohl deutlicher, als einem lieb ist. Der bisher als sehr ruhiger Mensch geltende Matt Kenseth attackierte den Team Penske Fahrer Brad Keselowski hinterrücks zwischen den Transporten in der Garage und musste von NASCAR Offiziellen und Team Mitgliedern mehrmals weggezerrt werden.

Doch was war geschehen, was Matt Kenseth so ausrasten ließ? Eine ganze Reihe von Situationen beinhaltet diese Geschichte, die einen zuerst verwirrt stehen und jede Menge Fragen offen ließ.

Schon früher in diesem Jahr gerieten die beiden NASCAR Champions in Richmond aneinander, als beide in einem spektakulären und sehr ansehnlichen Rennen um den Sieg auf dem Short Track kämpften. 63 Runden vor Schluss des 500 Meilen Rennen in der vergangenen Nacht auf dem Charlotte Motor Speedway, sollte das Drama einmal mehr seinen Lauf nehmen, als Brad Keselowski seineFührung auf der Außenlinie gegen den Joe Gibbs Racing Piloten Kenseth aggressiv verteidigte. Kenseth ging allerdings nur wenig bis gar nicht vom Gas und beide streiften die Mauer, was beide Fahrer ein wenig zurückfallen ließen – beide Wagen hatten einen sichtbaren Schaden jeweils an der rechten Seite.

Eine ganze Weile später, sechs Runde vor Schluss des Rennens, hatte Brian Vickers einen Motorschaden zu beklagen und somit musste das Pace Car zum achten Mal im Rennen das Feld einsammeln, was zu einem Green-White-Checkered Finale führte. Keselowski, der sich innerhalb der Top 5 befand, brauchte um jeden Preis eine gutes Endergebnis um den verlorenen Punkterückstand aus dem vorherigen Rennen in Kansas wieder gut zu machen. Kenseth, der zwischenzeitlich eine Runde während einem längeren Stint unter grün verlor, bekam den ‚lucky dog‘ und durfte während der Caution somit das Pace Car und das Feld einmal überholen, um seine verlorene Runde wieder zu bekommen. Dabei allerdings streifte Kenseth gezielt den Ford Fusion von Keselowski und fügte diesem noch mehr Schaden hinzu; quasi als eine Revanche für früheren Restart.

Der Restart erfolgte und jeder Fahrer, besonders die Chase Piloten, kämpften hart um jede Position. Zu dritt und gar zu viert jagten sich die Fahrer auf den letzten drei Meilen gegenseitig. Auf der Gegengeraden schob Keselowski Hamlin an, da er viel Schwung aus Kurve zwei mitnahm, aber die Strecken durch Larson auf der Außenlinie, Hamlin in der Mitte und Kasey Kahne auf der Innenlinie blockiert war. Dies hatte allerdings zur Folge das der Toyota von Hamlin übersteuerte und er so den Wagen ein wenig abfangen musste. Dabei fiel er auf Position 11 zurück und durch den Geschwindigkeitsverlust musste auch der direkt dahinter fahrende Keselowski vom Gas, der verzweifelt bis auf den 16. Platz zurückfiel. Ein herber Rückschlag in den Punkteständen, schließlich liegt der Penske Pilot nun 19 Punkte hinter dem Gesamtachten zurück und wäre somit aus dem Chase raus.

Als das Rennen vorbei war, wartete Denny Hamlin auf der Auslaufrunde auf den Sprint Cup Champion aus dem Jahr 2012, um seinen Ärger gegenüber Keselowski Ausdruck zu verleihen. Keselowski versuchte nun, sichtlich genervt, Hamlin in Turn 4 zu drehen. Auf dem Weg zur Boxengasse verfolgte der Ford Fahrer dann auch noch Kenseth, der sich laut seiner eigener Aussage schon abgeschnallt hatte und das Fensternetz  herunternahm (letzteres belegen die Fernsehbilder), und fuhr ihm ins Heck. Dabei berührte Keselowski allerdings auch das Heck von Tony Stewart, der vermutlich nicht wusste worum es ging. „Smoke“ legte den Rückwärtsgang ein und fuhr Brad Keselowski auf die Front und hinterließ einen sichtbaren Schaden am Ford Fusion. Ein durchaus unkluges Manöver von Stewart, der nach wie vor präsent in den Medien aufgrund des tragischen Unfalls mit Kevin Ward Jr. ist.

Keselowski fuhr genervt an den anderen Piloten in der Boxengasse vorbei und bog in die Garage mitsamt Verfolger Hamlin ab. Beide berührten sich einmal mehr. Keselowski ging auf das Gas um wegzukommen, fuhr über am Boden liegendes Equipment und hinterließ Reifenspuren aufgrund eines kurzen Burnouts, und parkte vor den Teamtransportern.

Denny Hamlin der Keselowski nach wie vor verfolgte, parkte seinen Toyota Camry direkt hinter dem babyblauen Ford und wurde sofort von seinen eigenen Leuten festgehalten als er wütend ausstieg und wahrscheinlich Brad Keselowski zur Rede stellen wollte. Doch Hamlin ließ nicht locker und warf ein Handtuch in Richtung Keselowski, welches den Kopf von Keselowski traf. Dies erhitzte die Gemüter der Crew der Nummer 2 und es gab hier und dort einige Schubser zwischen den beiden Crews. Keselowski machte sich danach auf den Weg zu seinem Transporter.

Nun hieß der Verfolger einmal mehr Kenseth und attackierte ihn mit Anlauf hinterrücks und wurde noch rechtzeitig von seiner Crew zurückgezerrt. Dabei nahm der Crew Chief von Keselowski, Paul Wolfe, den aufgeregten Kenseth in den Schwitzkasten um seinen Schützling zu beschützen. Nun konnte die Situation ein für alle mal durch NASCAR Offizielle entschärft und beruhigt werden.

Statement Kenseth

„Ich habe ihn gesehen, wie er nach dem Rennen versuchte, Denny (Hamlin) mitten in der Kurve zu drehen,“ so, ein mit Adrenalin geladener, Kenseth unmittelbar nach dem Handgemenge zwischen den Teamtransportern. Das Rennen war vorbei und er fährt in andere Wagen in der Auslaufrunde. Ich mein, das Rennen ist vorbei und er kommt einfach in die Boxengasse und fährt mir ebenfalls in den Wagen, wo Fahrer ihre Helme in den Wagen abnehmen und Leute stehen. Das ist unentschuldbar. Er ist ein Champion, er müsste es besser wissen.“

Statement Hamlin

„Er war einfach außer Kontrolle. Er war sichtbar verzweifelt. Wahrscheinlich weil wir alle wieder alles falsch gemacht haben,“ fügte Hamlin sarkastisch hinzu. „Matt stieg schon fast aus und er fuhr ihm einfach in den Wagen, um dann in die Garage zu fahren, über Equipment zu fahren und Burnouts zu machen. Es ist einfach nur enttäuschend. Er verhielt sich wie ein *Beleidigung* anstatt wie ein Champion.“

Statement Keselowski

Ebenfalls kurz nach dem Handgemenge zwischen ihm und Kenseth, gab auch er ein Interview für den Fernsehsender ESPN, um sich und seine Aktionen zu erklären. Dabei stellte er klar, dass viele Personen viele Fehler gemacht hätten.

„Nach dem Rennen stoppte die 11 (Hamlin) vor mir und suchte einen Kampf mit mir. Ich wusste nicht warum er dies machte. Er holte Schwung und fuhr mir in die Seite. Also nahm ich auch an seinen Spielchen teil und versuchte ihn zu drehen. Diese Typen können austeilen aber anscheinend nicht einstecken. Ich habe mich revanchiert, womit sie wohl nicht umgehen konnten.“

Auch sein Crew Chief Paul Wolfe sprach zu den Medien und sah die Schuld bei Hamlin:

„Ich denke Denny hat das ganze nach dem Rennen ins Rollen gebracht. Er ist Brad reingefahren und ab einem bestimmten Zeitpunkt muss man sich wehren und nicht alles gefallen lassen. Von da an, sind wohl alle frustriert gewesen und der Streit ist ausgebrochen. Jeder versucht seinen Standpunkt der Dinge zu verteidigen. Leider sind wir nun in einer unangenehmen Position für Talladega,“ so Wolfe.

Statement NASCAR

Die NASCAR orderte noch am selben Abend Keselowski, Kenseth und dessen Crewmitglied Jesse Sanders zum Transporter der NASCAR, um ihre Statements zu protokollieren. Sollte es Strafen geben, werden diese erfahrungsgemäß am Dienstag der Öffentlichkeit mitgeteilt.

„Wir fragten Brad (Keselowski) mit uns zu kommen, um ein wenig über die ganze Sache zu sprechen,“ so Robin Pemberton von der NASCAR. „Das meiste ist auf der Rennstrecke vor der Boxengasse passiert. Wir werden nun Videos sammeln und diese in Ruhe auswerten. Was in der Garage passiert ist und wer wen geschlagen hat müssen wir mit Zeugenaussagen auswerten, was ein wenig dauern kann.“

Fazit

Alles in allem sind die Emotionen nach einem langen 500 Meilen Rennen und dem Druck des neuen Chase Formats für einige Person übergekocht. Große Strafen, wie zum Beispiel Punktabzug oder gar Rennsperren, sind allerdings nicht zu erwarten. Geldstrafen und Verwarnungen dagegen schon. Emotionen und manchmal auch unkontrollierte Emotionen sind im Sport kaum bis gar nicht zu vermeiden und NASCAR ist ein Sport, der solche Emotionen zu lässt. Einige sind über das Ziel hinaus geschossen, doch dies ist nicht vermeidbar, wenn es um viel geht.