Fall Ward Jr.: Erste Informationen der Ermittlungen

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Die Untersuchungen im Falle Stewart und Kevin Ward Jr. laufen auf Hochtouren. Erste Informationen sind vorhanden.

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Kevin Ward Jr. – (C) kevinwardracing.com

Kevin Ward Jr. galt als ein furchtloser, talentierter sowie einer der wenigen Rennfahrer, der jedes Fahrzeug auf jeder Strecke schnell bewegen konnte. Viel hat er in seinen unzähligen lokalen Dirt Track Rennen nicht verdient, doch das Racing war sein Leben, sein Hobby und das einzige, was er machen wollte.

Nun ist der tragische Unfall zwischen dem 20-jährigen Sprint Car Fahrer und Tony Stewart knapp drei Tage her und hat der Familie, Stewart und uns allen Zeit gegeben, den Schock langsam zu verdauen.

Während nun die meisten Leute – sei es hier in Deutschland oder Amerika – über Nacht zu Sprint Car / Motorsport Experten wurden, macht das Team rund um Ontario County Sheriff Philip C. Povero ihre Ermittlungen bedächtig und geduldig, um für die vielen Fragen Antworten zu finden. Antworten, die vielleicht Frieden für die Familie des zu früh verstorbenen Kevin Ward Jr. und auch für Tony Stewart, der mit diesen Erinnerungen sein weiteres Leben fortführen muss.

Tony Stewart braucht seine Zeit und sagte das Rennen in Watkins Glen am vergangenen Sonntag ab, sowie das geplante Sprint Car Rennen an diesem Samstag auf dem Plymouth Speedway in Indiana. Ob und wann der dreimalige NASCAR Sprint Cup Champion zurückkehren wird, liegt ganz allein bei ihm selber, verkündete Stewart Haas Racing am gestrigen Abend:

„Die Entscheidung am nächsten NASCAR Sprint Cup Event in Michigan teilzunehmen wird Tony’s sein und er kann sich so viel Zeit nehmen, wie er sie braucht, um die Entscheidung zu fällen,“ so Mike Arning, Stewarts Sprecher. „Es ist immer noch eine sehr emotionale Zeit für jeden Beteiligten, auch für Tony. Er trauert und Trauer hat kein Zeitplan.“

Die Trauer ist natürlich auch bei Kevin Wards Familie, die ein kurzes und dankbares Statement veröffentlicht haben:

„Wir schätzen die Gebete und die Unterstützung die wir von der Racing-Gemeinschaft bekommen. Aber wir benötigen Zeit um zu trauern und uns gemeinsam zu helfen, diese schwere Zeit zu überstehen.“

Die ersten Informationen der Ermittlungen

Gestern Abend um 23 Uhr – 17 Uhr Ortszeit – gab das Ontario County Sheriff Departement die zweite Pressekonferenz, um die Medien ein paar Fragen zu beantworten und über den Status der Ermittlungen zu informieren. Sheriff Povero erklärte, dass der 20-jährige Kevin Ward Jr. an einem „massiven stumpfen Trauma“ – welches auch öfters bei Verkehrsunfällen auftritt – verstorben sei. Das hätte die Autopsie ergeben.

Philip C. Povero erklärte einmal mehr, dass es zu diesem Zeitpunkt keine Strafanzeige gegen Tony Stewart gebe: „Momentan bestehen keine Fakten, die ein kriminelles Vorgehen am Samstag Abend unterstützen würden. Doch dies ist eine laufende Ermittlung und das was ich eben sagte ist noch nicht indikativ. Die Ermittlung läuft weiter und wir haben noch keine Schlussfolgerungen und kein Fazit gezogen. Wir möchten alle Informationen sammeln und auswerten die es gibt.“

Viele Gerüchte gab es um eine GoPro Kamera die angeblich Tony Stewart auf seinen Wagen befestigt hatte. Dies verneinte der Sheriff ausdrücklich und erklärte, dass sie nun ein zweites Video aus einer anderen Perspektive von einem Fan erhalten haben, welches nicht veröffentlicht wurde.

„Wir möchten den Fall so schnell aufklären wie es nur geht, doch wir möchten keinen Stein unbewegt lassen und werden unsere Zeit nehmen,“ hieß es im Fazit der Pressekonferenz, die Live im Internet, auf ESPN, Fox Sports 1 und NBC Sports übertragen wurde.

Statement eines Beteiligten und mahnende Worte von Kasey Kahne an die Presse

Am Sonntag veröffentlichte Mark Tychoniewicz, Crew Chief von Chuck Hebing (der Fahrer mit der #45 der vor Tony Stewart fuhr) ein Statement, welches recht interessant ist:

„Ich habe diese Wagen gefahren und das rechte Bord des oberen Flügels verdeckt einem die Sicht auf ein ganzes Auto und schon gar auf eine stehende Person. Ich arbeite für den Wagen mit der #45 und der Fahrer [Chuck Hebing] sagte mir, dass er ihn [Kevin Ward Jr.] erst im letzten Moment entdeckte und nur knapp ausweichen konnte. Tony [Stewart] hatte in der Situation wesentlich weniger Zeit zum reagieren. Die Menschen auf den Tribünen oder die, die das Video sahen, haben keine Ahnung wie schnell solche Dinge passieren und wie sehr unsere Sicht aus solchen Wagen begrenzt ist. Die gesamte Situation ist sehr schlimm ausgegangen, doch wir alle wissen um die Gefahren des Sports den wir so lieben.“

Chuck Hebing wurde von der Polizei als Zeuge vernommen.

Marty Smith, ein vorbildlicher ESPN Jounalist, befragte am Sonntag vor dem Watkins Glen NASCAR Sprint Cup Fahrer Kasey Kahne. Kasey Kahne besitzt ein eigenes „World of Outlaw Sprint Car Team“ und ist jahrelang selber solche Fahrzeuge gefahren. Er fand mahnende Worte für die Öffentlichkeit.

Auf die Frage, welche Reaktion er hätte, als er den Unfall zwischen Stewart und Ward Jr. sah, antwortete Kasey Kahne wie folgt:

„Ich hatte Bauchschmerzen. Zu hören was passierte, aber ohne zu wissen was genau geschah, ist der schlimmste Teil der gesamten Situation. Die Unwissenheit ist wirklich hart. In meinen Gedanken bin ich bei der Ward Familie und Freunde, sowie Stewarts Familie und Freunde. Für keinen ist es momentan leicht.“

Weiter erklärt Kasey Kahne die Situation: „Ich bin ein Inhaber eines Teams und bin diese Wagen gefahren. Ich habe mir das Video angesehen und verstehe wirklich nicht, wie der Unfall passiert ist und was genau dort geschah. Es gibt nur wenige Leute die das können. Es gibt keinen Pressemenschen und keine Fans die den Unfall bewerten und auflösen können. Es gibt zu viele Dinge die man nicht sehen kann.“

„Erstens, Tony hat keine Ahnung das Ward verunfallt ist. Tony hat ihn nicht abgedrängt. Auch ist es nur eine Caution und keine Unterbrechung (rote Flagge) des Rennens. Also kommst du an der Stelle wieder vorbei und möchtest wissen, was passiert ist. Ich bin diese Wagen gefahren, Marty [spricht zu Marty Smith, dem Journalisten], und nichts was ich sah macht Sinn für mich. Ich denke, nur Tony und ein paar Fahrer die um ihn herum waren, sind die einzigen, die einem erzählen können was wirklich geschehen ist,“ erklärt Kasey Kahne, ein Freund von Tony Stewart.

Wie geht es weiter?

Wie schon erwähnt laufen die Ermittlungen weiterhin auf Hochtouren, um diesen tragischen Vorfall so schnell und so gut wie möglich aufzuklären. Auch brauchen beide Parteien Zeit und Ruhe, um die Geschehnisse zu verdauen und Frieden zu finden.

Mehrere lokale Rennstrecken haben das Reglement aufgrund des Unfalls verändert. Nun dürfen Fahrer erst dann aussteigen, wenn das Sicherheitspersonal am Wagen ist oder wenn der Wagen in Flammen steht. Eine Regeländerung, die auch schon bald in der NASCAR Einzug halten könnte:

„Wir haben immer Diskussionen um unsere Regeln zu verbessern,“ so der NASCAR Sprecher Kerry Tharp gegenüber der USA Today. „Schon in der Vergangenheit haben wir uns verschiedene Situationen angesehen und wir sind nicht verängstigt, Schlüsse aus diesen zu ziehen.“

Die Zeit wird Antworten finden und das kann und muss jeder Beteiligte akzeptieren, denn Spekulationen haben noch nie gefruchtet.