Watkins Glen: Allmendinger kämpft sich zum ersten Sieg!

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In einem wilden Rundkurs Rennen in Watkins Glen konnte sich Underdog AJ Allmendinger gegen Marcos Ambrose siegreich durchsetzen! Große Unfälle hinterfragen Sicherheitsvorkehrungen.

Die amerikanische Motorsportwelt erlebte in der Nacht von Samstag auf Sonntag einen Schock, als in einem tragischen Unfall mit Tony Stewart, der erst 20-jährige Kevin Ward Jr. in einem lokalen Sprint Car (nicht zu verwechseln mit dem „Sprint Cup“ der NASCAR) Rennen ums Leben gekommen ist. Die Trauer und Wut war groß am Vormittag und so kam das NASCAR Sprint Cup Rennen aus Watkins Glen gerade rechtzeitig, damit sich die Millionen von Fans ablenken konnten. Und am Ende des Tages gab AJ Allmendinger uns allen wenigstens doch noch einen Grund zum lächeln, als der so sympathische Rennfahrer seinen ersten Sprint Cup Sieg in einem engen Duell mit Marcos Ambrose erringen konnte.

Schon am Start zeichnete sich schnell ab, dass dies ein weiterer, spannender und toller Rundkurs-Leckerbissen werden wird: Pole Sitter Jeff Gordon konnte sich gegen Marcos Ambrose in Kurve 1 durchsetzen und behielt die Führung ganze 29 Runden lang, doch der „Tasmanian Devil“, Marcos Ambrose, war ihm Runde für Runde dicht auf den Versen.

Bei Boxenstopps unter grün (ab Rund 29) und das Spotlight für den ehemaligen V8 Supercars Fahrer Ambrose ging an: Seine Crew arbeitete schneller als die vom viermaligen Cup Champion Jeff Gordon und so kam es das der Australier die Führung erstmals seit Sonoma 2014 wieder übernehmen konnte. Und das mit einem teilweise sehr deftigen Vorsprung gegenüber seiner Konkurrenz.

Ein Teil der Konkurrenz nahm sich dann zum Glück für Ambrose auch noch selber auseinander: Kyle Busch wollte sich bei Martin Truex Jr. rächen und fuhr ihm nach dem „bus stop“ in die Karre, was für Truex Jr. allerdings keine großen Folgen hatte. Das Resultat bei Busch sah allerdings ein wenig anders aus, als der Joe Gibbs Racing Fahrer mit einer komplett beschädigten linken Front in die Box kam. Das Rennen um den Sieg war für ihn gelaufen, ähnlich für Brad Keselowsi der während dem gesamten Rennen Probleme mit den Bremsen beklagte.

Auch bei Gordon spielte die Technik in Runde 52 nicht mit und war der Grund für die zweite Pace Car Phase des Tages, nachdem Cole Whitt in Runde 14 seinen Toyota in Turn 1 im Reifenstapel aufgrund Bremsversagens versenkte. Der Hendrick Motorsports Pilot meldete dem Team, dass der Motor streikt und rollte hilflos auf der Strecke aus und kam nach Turn 1 letztendlich zum Stillstand. Das Team suchte verzweifelt nach dem Fehler und wechselte erfolgreich die Batterien aus, doch das Rennen war für den Fahrer gelaufen.

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Links Newman, in der Mitte konnte David Ragan flüchten und rechts Michael McDowell in der #95. Alle blieben unverletzt. – (c) NASCAR Media

Gleichzeitig war die Caution der Startschuss in die finale Phase und dementsprechend hitzig wurde das Racing, bevor es in Runde 57 zum großen Knall kam. Mehrere Fahrer kamen aus dem „Karussell“ zu weit heraus und Ryan Newman verlor die Kontrolle über seinen Wagen, schlug mit einem flotten Tempo in die innere Leitplanke hinein und wurde in den Weg von Michael McDowell katapultiert. Dieser traf Newman völlig schuldlos am Heck und hob ein wenig ab, bevor er in der Außenmauer zum Stillstand kam. Beide Wagen sahen fürchterlich aus, doch dank der tollen Sicherheitsvorkehrungen am Wagen blieben alle unverletzt. Lediglich die Leitplanke musste ausgewechselt werden und war der Grund für eine über einstündige Unterbrechung des Rennens, die die Teams teilweise mit Football verbracht haben.

Newman allerdings brodelte und kritisierte die Sicherheitsvorkehrungen des Watkins Glen International harsch: „Es ist eine antike Strecke und ist nicht mal ansatzweise auf dem NASCAR-Standard. Die Safer Barrier und Betonwände existieren hier nicht. Es ist eine Schande, dass es erst immer solche schweren Unfälle geben muss, bis sich endlich etwas ändert,“ sagte der Richard Childress Racing Fahrer gegenüber einem ESPN Reporter.

Doch er schimpfte noch weiter: „Sie haben keine Probleme 400 Millionen US Dollar in Daytona zu investieren, doch vielleicht sollten sie mal ein paar Millionen hier reinstecken für die Sicherheit und somit auch für das Wohlbefinden von uns Fahrern.“ Mit in dem Unfall involviert waren Danica Patrick, Greg Biffle und Alex Bowman, die allerdings mit vergleichsweise wenig Schaden davonkamen.

Der Präsident von der Strecke, Michael Printup, kündigte Gespräche an: „Wir werden uns mit der NASCAR zusammensetzen und uns beraten, was wir als nächstes tun werden. Die Sicherheit für Fahrer und Fans steht über alles.“

In Runde 60 wurde das Rennen nach der roten Flagge wieder aufgenommen mit Carl Edwards als Führender, der sich durch seine Strategie nach ganz vorne mogeln konnte. Die Führung allerdings verlor er gleich bei einem Restart an den starken AJ Allmendinger, der nun erstmals die Führung des Rennens übernehmen konnte. Marcos Ambrose musste sich ab dem Restart von Platz neun nach vorne kämpfen, was dem Richard Petty Motorsports Piloten allerdings nicht großartig Probleme bereitete.

Mit einem zwei Sekunden Vorsprung konnte sich Allmendinger vorne halten, doch die Sorge das der Sprit bei dem Chevrolet Team nicht reichen sollte war auf jeden Fall angebracht und das wusste auch Marcos Ambrose der geduldig seine eigene Pace fuhr. 10 Runden vor Schluss sorgte Josh Wise für eine weitere Caution, was Allmendinger zum Sprit sparen verhalf. Doch der Vorsprung war logischerweise natürlich auch pfutsch.

Mit einer harten, aber cleveren Restart-Taktik konnte sich Allmendinger in Turn 1 durchsetzen, aber das Pace Car musste erneut auf die Strecke und machte das Rennen zu einem wahren Thriller. Kyle Larson traf Ausgangs Turn 1 Matt Kenseth, der wiederum Johnson traf. Johnson konnte die Kontrolle nicht halten und drehte sich mitten im Feld und wurde von Regan Smith getroffen, der Tony Stewart aus den am Anfang erläuterten Gründen ersetzte.

Also gab es das gleiche Spielchen in Runde 88 erneut und die beiden Fahrer Allmendinger und Ambrose zeigten den Zuschauern eine Wahnsinns-Show, als die beiden eine halbe Runde lang nebeneinander fuhren. Ambrose konnte nach der S-Kurve die Führung im „bus stop“ übernehmen, um sie auf der Start/Ziel Geraden wieder an Allmendinger abzugeben. Genau in diesem Moment krachte es weiter hinten im Feld und erneut musste das Rennen mit einer roten Flagge unterbrochen werden, bevor es zum finalen Showdown der beiden Fahrer kommen konnte.

Denny Hamlin wurde vor Start/Ziel gedreht und rutschte in die Sand-Tonnen, die die Fahrer vor der Mauer des Boxeneingangs beschützen soll. Die Strecke war verschmutzt und musste gesäubert werden.

Mit zwei verbleibenden Runde auf der Uhr war die Spannung groß und nach einer kurzen Pause konnte das Rennen aufgenommen werden. Was dann geschah, sollte man einfach nur genießen:

Für AJ Allmendinger war es der erste NASCAR Sprint Cup Sieg, doch nicht nur das war der Grund für eine emotionale Siegesfeier. Vor zwei Jahren, als Allmendinger es zu Team Penske schaffte, verlor er sein Cockpit und temporär auch seine NASCAR Lizenz, nachdem die NASCAR vor dem Daytona Rennen im Juli eine verbotene Substanz in seinem Blut fand. Roger Penske musste den Fahrer auf Drängen des Sponsors entlassen und Allmendinger, der seine Unschuld immer wieder beteuerte, absolvierte das „Road to Recovery“-Programm der NASCAR, um seine Lizenz wieder zu bekommen. Jetzt steht er mit einem kleinen Team ganz oben und durch die neuen Chase Regeln auch im Chase!

Cheez-It 355 At The Glen
Victory Lane – (c) NASCAR Media

„Oh mein Gott, ich kann es nicht glauben das wir ein NASCAR Sprint Cup Rennen gewonnen haben,“ jubelte der fröhliche Allmendinger. „Das ganze #47 Team, Tad und Jody G. [Geschickter, Co-Owner des Teams], Brad Daugherty, all unsere Sponsoren haben so hart dafür gearbeitet. Ich liebe die Jungs. Ich wollte unbedingt diesen Sieg für sie holen, sie haben so hart gearbeitet.“

„Ich wollte auf gar keinen Fall das Ambrose mir diesen Sieg wegnimmt. Ich hoffe die Fans haben das Rennen geliebt, denn im Rennwagen hat es richtig viel Spaß gemacht,“ lachte AJ Allmendinger und bekam in der Victory Lane Besuch von seinem Vater, Richard Childress und ein ganz spezieller Mann, der niemals den Glauben an Allmendinger verlor: Roger Penske.

Marcos Ambrose war sichtlich enttäuscht und gab trotzdem ein tolles Interview: „Zu aller erst meine Glückwunsche an AJ [Allmendinger], weil er es heute einfach verdient hat. Ich habe alles gegeben, doch er konnte dem Druck standhalten. Mein Respekt dafür. Doch auf mein Team bin ich auch stolz. Wir haben viel Arbeit in dieses Rennen gesteckt und wir wussten das wir eine großartige Chance für die Chase Qualifikation in diesem Rennen haben. Es war knapp.“

Die Top 5 komplettierten Kurt Busch, Kyle Larson (!) der aus dem Nichts kam und Sonoma Sieger Carl Edwards auf dem fünften Platz. Joey Logano, Kevin Harvick, Greg Biffle, Matt Kenseth und Brian Vickers rundeten die Top 10 in Watkins Glen ab.

Ein langer und schwerer Tag ging damit für die US-Racing Gemeinschaft mit einem kleinen Lächeln zu Ende, dessen Folgen abzuwarten sind. Insbesondere für Tony Stewart. Ob er nächste Woche auf dem Michigan International Speedway starten wird ist fraglich; zu groß könnten die emotionalen Belastungen und der Druck der Medien für den 43-jährigen sein. Eine ausführliche Vorschau auf das 400 Meilen Rennen wird es wie gewohnt im Laufe der Woche geben.

 

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