Kurt Busch Double: Viel mehr als nur Racing

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Kurt Busch versuchte am vergangen Wochenende das Double. Doch während es für viele seiner Vorgänger nur um den sportlichen Wert drehte, ging es für Busch um sehr viel mehr…

Als Stewart-Haas Racing Fahrer Kurt Busch am Sonntag, den 25. Mai 2014, in das weltberühmte, prestigträchtige und vielleicht größte Motorsportevent der Welt an den Start ging, stand die gesamte NASCAR Nation hinter dem 35-jährigen Stockcar-Fahrer. Die größten Rivalen auf der Strecke rückten zusammen, Fans feuerten ihn gemeinsam mit seinen etlichen Hatern an und die NASCAR Journalisten protokollierten jedes einzelne Detail und verfassten es in grandiose, motivierende sowie sehr interessanten Artikeln. Solch ein Zusammenhalt sieht man heutzutage selten im Motorsport, doch Motorsport-Amerika in Form von NASCAR und IndyCars machen es möglich.

Busch-Indy-500-NASCAR
(C) Autoweek

Kurt Busch hielt den Druck in Indianapolis stand und kämpfte sich seinen Weg in einem Ersatzwagen nach vorn, nachdem er am Donnerstag sein primäres Fahrzeug in die Wand setzte. Der NASCAR Cup Champion aus dem Jahre 2004 zeigte seine gesamte fahrerische Klasse und konnte sich gegen die besten IndyCar Piloten aus der heutigen Zeit durchsetzen und das in seinem aller ersten Rennen in einem Formel-Wagen. Am Ende kam er auf einem grandiosen sechsten Platz ins Ziel und flog direkt nach Rennende gemeinsam mit seiner Freundin und Stiefsohn Houston in Richtung Concord, North Carolina, um das längste Rennen der Saison in Angriff zu nehmen.

Bei einem tosenden Applaus landete der Helikopter mitten auf dem Rasen der Start Ziel Geraden und Kurt Busch blieben lediglich 50 Minuten bis zum Rennstart. Dadurch, dass er die Fahrerbesprechung verpasst hat, musste der Stewart Haas Racing Fahrer gemeinsam mit seinem Bruder, der in einem Ersatzwagen saß, von hinten starten.

Er arbeitete sich seinen Weg nach vorn und positionierte sich lange Zeit in den Top 15 und war somit auf einem guten Wege, den Rekord von seinem Boss und früheren Rivalen Tony Stewart anzugreifen. Schließlich versuchte auch Tony Stewart, der seine Wurzeln in den IndyCars hat, im Jahre 2000 und 2001 das Double. Im ersten Jahr des neuen Jahrhunderts kam er in Indianapolis ebenfalls auf den sechsten Platz ins Ziel, um Stunden später auf Platz drei das Coca Cola 600 zu beenden.

Einmal mehr waren die Augen also auf Kurt Busch gerichtet und jeder fragte sich, ob er diesen Erfolg tatsächlich überbieten kann. Doch in Runde 274 zerstörte der Motor des Chevrolet SS den Traum eines vollständigen Doubles, als das Rennen für den älteren Busch Bruder vorbei war. Die Enttäuschung war groß, doch es waren sich alle einig: Das Double war ein voller Erfolg. Allerdings muss man einige Jahre zurückgehen, um diesen Erfolg erklären zu können…

Nicht umsonst trägt Kurt Busch seit einigen Jahren den Spitznamen „Outlaw“ mit sich, schließlich kennt so gut wie jeder Kurt Busch’s verärgerten, ja schon fast legendären, Ausraster während den Rennen am Radio. Ein Umgangston, mit dem wahrscheinlich schon viele Pit Crew Leute gehadert haben und dies war auch einer von vielen Gründen für seine Entlassung bei Roush Fenway Racing Ende 2005. Der entscheidende Grund allerdings war, offiziell, eine feuchtfröhliche Nacht die bei einer Polizeikontrolle endete.

Doch ein Denkzettel, den er vielleicht verdient gehabt hätte, war dies nicht, denn ein weiterer lukrativer Fahrervertrag winkte schon um die Ecke in Form von Team Penske. NASCAR Hall of Famer Rusty Wallace beendete seine Karriere im Jahre 2005 und somit übernahm der Cup Champion von 2004 das Steuer des „Blue Deuce“, die Nummer zwei und das heute Arbeitsgerät von Brad Keselowski, der Kurt Busch 2011 in die #22 verdrängte.

Die Saison 2011 verlief frustrierend für den zynischen Rennfahrer aus Las Vegas, Nevada und all die Enttäuschung über die fehlende Performance entlud sich beim Saisonfinale in Homestead-Miami, als er frühzeitig aus dem Rennen ausschied. Für eine obszöne Gestik gegenüber einem Reporter von ESPN bestrafte ihn die NASCAR mit einer Geldstrafe von läppischen 50.000 US-Dollar. Doch sein Team Owner Roger Penske tat ihm richtig weh, als er auf Drängen von Shell Kurt Busch feuern musste.

„Ich schätze all seine Siege, die er für Penske Racing einfuhr. Doch auch wenn ich enttäuscht bin, so einen großartigen Fahrer ziehen zu lassen, waren wir uns beide einig, dass eine Trennung das Richtig für ihn und unseren Sponsoren ist. Ich wünsche Kurt das beste in der Zukunft.“ – Roger Penske, 2011.

Auch Busch bedankte sich für die Zeit mit Team Penske und versprach, sich zu einem besseren Menschen und zu einem besseren Fahrer zu entwickeln.

Doch kann sich ein Mensch, welcher so in der Öffentlichkeit steht, tatsächlich verändern?

Als Kurt Busch 2012 bei dem Hinterbänkler Team Phoenix Racing (heute HScott Motorsports, #51) anheuerte, konnte man diese Frage schnell mit einem Nein beantworten. Es gab weitere zynische Interviews, weitere Ausraster am Radio und jede Menge Schrott sowie Rivalitäten auf der Strecke.

Coca-Cola 600
Kurt Busch mit seiner Freundin Patricia und seinem Stiefsohn Houston, mit dem er eine gute Beziehung hat. – (C) C. Tilton/Getty Images

Ändern sollte er sich erst 2013, als er für Furniture Row Racing fuhr und eine Dame namens Patricia Driscoll kennenlernte, die einen achtjährigen Sohn namens Houston aus der letzten Ehe mitbrachte. Bis heute sind die beiden zusammen und es scheint, als hätte die für Charities arbeitende 36-jährige einen großen Anteil daran, das sich Kurt Busch zu dem Fahrer und Menschen veränderte, den wir am Sonntag bzw. in dieser Saison erleben dürfen.

Das Double in Indianapolis und Charlotte hat ihn ins Rampenlicht gerückt und ihm die Chance gegeben, sein beschmutztes Image ein für alle mal wieder zu säubern und mit der amerikanischen Motorsport-Welt wieder Frieden zu finden, denn nicht viele waren beeindruckt von seinen Eskapaden.

Kurt Busch strahlte am Sonntag eine gewisse Zufriedenheit aus und fand sowohl die richtigen wie auch ruhigen Worte, als er von dutzenden Reportern umschwärmt worden war. Eine Situation, die Kurt „Outlaw“ Busch vor zwei, drei Jahren sicherlich nicht bändigen hätte können.

Und selbst nach seinem Motorschaden blieb er unerwartet ruhig:

„Unser Wagen heute war super, doch der Motorschaden symbolisiert die bisherige Saison für uns. Wir gaben alles, doch das Pech wollte uns heute nicht verschonen. Doch das Stock Car direkt nach einem IndyCar Rennen zu fahren ist ein besonderes Erlebnis, welches ich nie in meinem Leben vergessen werde. Das, was mir heute in Indianapolis passiert ist, war für mich einfach nur etwas besonderes. Die Andretti Jungs haben mir ein siegfähiges Fahrzeug gebaut und auch meine Jungs haben alles getan, um diese Nacht erfolgreich abzuschließen. Doch technische Probleme wird es immer geben; das ist einfach nur Pech.
Alles in allem habe ich alles gegeben was ich hatte. Doch ohne die Hilfe von so viel anderen Leuten hätte ich das heute nicht ermöglichen können. Ich möchte mich bei Gene Haas, Tony Stewart, Michael Andretti und seinen Jungs in tiefster Form bedanken,“ so Kurt Busch unmittelbar nach seinem Motorschaden in Charlotte.

Das Double von Kurt Busch war also mehr als ein an sportlich gemessenes Event. All die harte Arbeit in den letzten Wochen hat selbst bei dem letzten Outlaw-Kritiker den Respekt zu Kurt Busch als Fahrer und Person wieder erschaffen. Kurt Busch hat es mit harter, beständiger Arbeit und einer tollen Freundin geschafft, sich wieder nach oben zu arbeiten, wo er einst war. Er hat sich nicht fallen gelassen, egal welche Rückschläge der 35-jährige erleben musste.

Gestern zumindest, war er ein Held des NASCAR-Sports und die Anerkennung für das was er geleistet hat, wird hoffentlich noch einige Monate und Jahre bestehen bleiben…

 

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