Charlotte: Ein besonderer Ort für Michael Waltrip

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Michael Waltrip Racing hatte es noch nie einfach in der NASCAR. „Raketensprit“, Geldsorgen und die Spingate-Affäre drängten das Team in den Abgrund, doch Charlotte fing das Team auf.

Der Charlotte Motor Speedway ist nicht nur irgendeine Strecke für die amerikanische NASCAR, sondern das Wohnzimmer. Es ist der Ort wo fast jedes Sprint Cup Team – mit Ausnahme von Furniture Row Racing – seine Shops (die Gebäude, in denen die Wagen prepariert werden) und Büros stationiert haben. Und auch die meisten Piloten sind in Charlotte und drumherum liegenden Orten sesshaft, was die Rennen auf dem 1,5 Meilen Speedway besonders macht, schließlich ist es deutlich entspannender im eigenen Bett zu schlafen.

Für einen ganz bestimmten Mann ist der Charlotte Motor Speedway aber noch ein Ticken besonderer als für manch anderen Fahrer, denn es war nicht nur der Ort des ersten Cup Sieg als Fahrer, sondern auch die Strecke, auf der er als Team-Owner ebenfalls den ersten Teamsieg in der höchsten NASCAR-Klasse feiern durfte. Die Rede ist von Michael Waltrip, ein zweimaliger Daytona 500 Champion und heutzutage ein echter Allrounder im US-amerikanischen NASCAR Fernsehen für den TV Sender FOX.

Mit aufheiternden und manchmal albernen Segmenten zeigt sich der jüngere Bruder des dreimaligen Cup Champions Darrell Waltrip als ein freundlicher, lustiger Mann, der seinen ganz eigenen Charakter hat. Doch es gab auch andere Zeiten für den heute 51-jährigen. Schon in der Kindheit stand er immer im Schatten seines großen und 16 Jahre älteren Bruder Darrell, der früh im damaligen Winston Cup erfolgreich war. Nie hatte Michael in seiner Kindheit eine gute Beziehung zu brüderlichen Superstar, was sich im Laufe der Zeit allerdings änderte, wie der jüngere Waltrip in seinem Buch „In The Blink Of an Eye“ zugibt.

Die nicht vorhandene Beziehung zu seinem Bruder führte dazu, dass er sich schon in den Anfangsjahren seiner Karriere alles alleine verdienen musste, was ihn später prägen sollte.

Doch er schaffte es und im Jahre 1985 sollte er in einem Chevrolet Monte Carlo mit der Startnummer 23 für einen gewissen Dick Bahre sein Cup Debüt feiern. Es war eine echte Tortur für den jungen Piloten, denn gleich in seinem ersten Rennen musste er das längste Rennen der Saison antreten, welches damals wie heute das 600 Meilen Rennen von Charlotte ist. Ein Kampf für Mensch und Maschine, wobei im Falle Michael Waltrip letzteres zuerst aufgab. In Runde 278 von 400 verweigerte das Getriebe die Arbeit, was in einem 28. Platz resultierte. Der Sieger war sein Bruder, Darrell Waltrip.

Die Jahre vergingen und Michael Waltrip konnte sich in der höchsten und schwierigsten NASCAR Klasse halten, doch an seine Erfolge aus seiner Kindheit, in denen er ein lokales Rennen nach dem anderen gewann, konnte er nicht anknüpfen und eine bis heute unvergessene Niederlagen-Serie nahm seinen Lauf, was Waltrip beinahe zermürbte.

In 1996 sollte sich allerdings alles ändern; so schien es jedenfalls. Im Winter zuvor verlor er sein Cockpit bei einem Team namens BAHARI Racing an Johnny Benson Jr. und wie der Zufall es wollte, traf Waltrip in der 96’er Saison auf eben jenen Fahrer der ihn aus dem Team verdrängte. Schauplatz war einmal mehr der Charlotte Motor Speedway als Waltrip im Wood Brothers Ford versuchte, sich im All-Star Qualifying Rennen für das Nullpunkte-Event zu qualifizieren. Wie heutzutage auch, kamen damals ebenfalls die besten zwei Fahrer weiter. Natürlich gewann Waltrip nicht, doch in einem spannenden Kampf mit seinem Erzrivalen Benson konnte er sich in den letzten Runden den zweiten Platz schnappen und durfte somit paar Stunden später im Hauptrennen teilnehmen, was sich auszahlte.

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Das siegreiche Manöver gegen Earnhardt und Terry Labonte im All-Star Rennen 1996. – (C) Wood Brothers Racing

Mit Fahrern wie Dale Earnhardt Sr., Jeff Gordon, Terry Labonte, seinem Bruder und vielen anderen waren hochkarätige Fahrer dabei, doch Underdog Michael schaffte es mit Geschick und einem schnellen Wagen sich im finalen Segment gut zu positionieren. Ein paar Runden vor Schluss sollte dann das Unglaubliche passieren: Dale Earnhardt Sr. und Terry Labonte waren sich in Turn 1 nicht einig, berührten sich und es entstand eine Lücke für Michael Waltrip der reflexartig jene Lücke nutzte und zu seinem ersten Cup Erfolg auf dem Charlotte Motor Speedway davon raste.

„Ich werde meiner Mutter und Vater ein Haus bauen. Ich will das sie nach North Carolina umziehen. Das [Preisgeld] wird dafür hergenommen,“ freute sich Waltrip in der Victory Lane.

Drei Jahre später kehrte Michael Waltrip einmal mehr zum Charlotte Motor Speedway zurück, doch diesmal mit seinem eigenen Busch Series (heute Nationwide Series) Team. In einem spannenden Spritpoker konnte er das vorletzte Saisonrennen der Busch Series in Charlotte gewinnen, was gleichzeitig den ersten Erfolg für sein eigenes Team darstellte. Doch dies rückte in den Hintergrund, denn vor Ort war auch sein krebskranker Vater, für den Michael unbedingt noch einmal siegen wollte, bevor sein Vater verstarb. Mit diesem Rennen schaffte er es und erfüllte so seinen und den Traum seines Vaters, der drei Monate später verstarb.

Im Jahr 2007, also acht Jahre später, startete ein neues Kapitel für den aus Kentucky stammenden Rennfahrer. Gemeinsam mit dem damals neuen NASCAR Sprint Cup Hersteller Toyota baute Waltrip sein eigenes Cup Team auf, was sich allerdings schnell in ein teures und nervenzerreißendes Projekt entwickelte. Schon vor dem ersten Rennen machte Waltrips Team auf sich aufmerksam, als die Offiziellen der NASCAR bei einer Inspektion illegales Sprit im Tank seiner drei Wagen fand. Bis heute ist noch nicht klar, wie das als „Rocketfuel“ in die Geschichte eingegangene Sprit in die Wagen gelangte, doch der erhebliche Imageverlust war getan.

Das Team dümpelte vor sich hin und man verpasste in der Debütsaison ganze elf Rennen in Folge, aufgrund des nicht vorhandenen Speeds. Die Schulden wurden größer und die Banken ungeduldiger und ein beinahe tödlicher Unfall im Straßenverkehr mitten in der Nacht rückte Waltrip in ein schlechtes, öffentliches Licht. Auch seine Ehe lief den Bach runter und er und seine Frau entschieden sich für eine Trennung.

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Ein überglücklicher Michael Waltrip mit Crew Chief Rodney Childers, nach dem ersten Sieg von MWR, den David Reutimann einfuhr. – (C) Getty Images via NASCARMedia.

Im Herbst 2007 sollte sich zumindest auf geschäftlicher Ebene alles zum besseren wenden. Sein enger Freund Mike Helton, Präsident der NASCAR, gab ihm ein Tipp der zu einem Motorsportverrückten Milliardär namens Rob Kauffman führte, der wenig später 50% Anteile von Michael Waltrip Racing kaufte und bis heute in das Team investiert. Seitdem ging es aufwärts und vor fünf Jahren, 2009, fuhr David Reutimann den ersten Sieg für das Toyota Team ein. Welche Strecke? Charlotte Motor Speedway.

Man kann nicht abstreiten, dass die Verbindung zwischen Michael Waltrip und dem Charlotte Motor Speedway einzigartig ist und nur Daytona dies toppen kann (dazu ein andermal). Auch darf man gespannt sein, ob die beiden Michael Waltrip Racing Fahrer Clint Bowyer und Brian Vickers fünf Jahre nach dem ersten Cup-Erfolg des Teams den ersten Sieg nach der Spingate Affäre von Richmond feiern können. In die Geschichte von Waltrip würde zumindest passen, schließlich steht dieses Wochenende das Coca Cola 600 in Charlotte an…

 

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