Richmond-Wahnsinn: Joey Logano zum zweiten!

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Erneute Reifenprobleme, viele Führungswechsel, ein super spannendes Finish und eine Schlägerei am Ende. Der ganz normale Richmond-Wahnsinn!

Was war das nur für ein Rennen in Richmond? Schon in der ersten Kurve der ersten Runde sollten die Emotionen schon mal angewärmt werden, als Michael Waltrip Racing Fahrer Clint Bowyer den Pole Sitter und Sprint Cup Rookie Kyle Larson unglücklich von Positionen drei aus am Heck und ihn in eine ansehnliche 360 Grad Drehung versetzte. Zwar entschuldigte sich Bowyer später in einem Fernsehinterview als er seinen Wagen vorzeitig abstellen musste, doch Larson hatte direkt nach der Aktion kein Verständnis für diesen Rennunfall und tobte am Team-Radio. Auch der gute alte Mittelfinger sollte nicht fehlen. Am Ende sollte der Chip Ganassi Racing Fahrer auf dem 16. Platz ins Ziel eintrudeln, nachdem er sich durch das gesamte Feld zurückkämpfen musste.

„Ich möchte mich bei Kyle [Larson] entschuldigen,“ so Bowyer nach seinem Ausfall in Runde 159. „Ich bin ein großer Fan von ihm und er macht einen wahnsinnigen, guten Job zur Zeit. Ärgerlich das dies in der ersten Runde geschehen ist.“

Nach der zweiten Caution – eine Wettbewerbs-Gelbphase, da es in der Nacht zuvor geregnet hat – sollte das Rennen seinen Rhytmus finden, der allerdings einmal mehr vom Goodyear Reifen vorgegeben wurde. Schon im Nationwide Series Rennen Freitag Nacht deuteten sich die Verschleiß-Probleme an und es entstand während dem Sprint Cup Rennen die magische „55 Runden Grenze“. War die besagte Grenze erreicht, durfte man davon ausgehen das mindestens einer der 43 Piloten jede Menge Probleme bekam, da die Reifen anfingen sich aufzulösen in Form von Kordeln. So erwischte es unter anderem Clint Bowyer, Ricky Stenhouse Jr., Jimmie Johnson, Carl Edwards und viele mehr. Der Wagen von Reed Sorenson, Fahrer der #36, fing sogar Feuer; ein Resultat der Kordeln da diese sich um die Radnarbe wickelten und erhitzt wurden, bis sie schließlich anfingen zu brennen.

Während dem Rennen kristallisierten sich drei Fahrer aus: Auf der einen Seite Team Penske mit Texas Sieger Joey Logano und Las Vegas Gewinner Brad Keselowski, die besonders auf den kurzen Stints, in etwa 30 Runden, extrem stark waren. Auf der anderen Seite dagegen hatte auch Jeff Gordon wieder ein Wörtchen mitzureden, dessen Chevrolet SS von Hendrick Motorsports einmal mehr auf die längeren Stints ausgelegt war, was sich aufgrund der Reifen zu einem Nachteil entwickelten sollte.

Bis Runde 380 (von 400) wechselte die Führung ganze 18 mal, doch das beste stand den Fans noch bevor: Aufgrund eines Motorschadens von J.J. Yeley (Xxxtreme Motorsports), musste das Pace Car noch einmal in Runde 386 auf die Strecke um das mittlerweile hitzige Feld einzufangen. Und was nach dem Restart geschehen sollte, war ganz großer Sport!

Joe Gibbs Racing Fahrer Matt Kenseth der zuvor aus dem Nichts kam und sich die Führung von Jeff Gordon ergatterte hatte neun Runden vor Schluss das Privileg das Feld beim finalen Restart anzuführen und machte seinen Job gut, doch schnell sollte der erfolgshungrige Gordon neben ihm um den Sieg fahren. Während sich die beiden um die Führung sehenswert stritten, kam Team Penske mit großen Schritten und schließen sich der Party vorne an. Keselowski versuchte es auf der äußeren Linie die Kenseth vorerst erfolgreich blockte, doch er musste gleichzeitig auch Gordon auf der inneren Linie blocken.

Nachdem Kenseth Keselowski zum leichten bremsen zwang, fuhr Keselowski dem Toyota Fahrer ins Heck und das Chaos nahm seinen Lauf. Gordon drehte fast Keselowski und Kenseth hatte auch seine Probleme, den Wagen unter Kontrolle zu halten. All dies beobachtete Logano offenbar genüsslich von Positionen vier aus und witterte seine Chance vier Runden vor Schluss auf der Start Ziel Geraden, als er eine Lücke bei Jeff Gordon fand. Diese nutzte er und gewann somit sein zweites Rennen in der laufenden Saison und ist somit erst der zweite Fahrer neben Kevin Harvick, der zwei Rennen in dieser Saison gewinnen konnte. Und das, obwohl Richmond eigentlich eine seiner schlechtesten Strecken sein, wie der Ford Pilot in der Victory Lane lachend zu verstehen gibt.

„Das fühlt sich einfach nur großartig an,“ so Logano. „Es ist echt cool in einer Victory Lane zu stehen, auf einer Strecke, auf der du eigentlich gar nicht so gut bist. Um ehrlich zu sein, das ist meine schlechteste Strecke im ganzen Sprint Cup Kalender. Einfach nur ein verrücktes Rennen war das. Die #20 [Matt Kenseth] hat einen guten Job gemacht, die #2 [Brad Keselowski; Teamkollege] oben zu blocken und ich konnte daraus Nutzen ziehen und schlüpfte unten durch, um das Rennen dann zu gewinnen,“ analysiert Joey Logano seinen zweiten Sieg nach Texas.

Während sich Logano auf der Strecke aber zum obligatorischen Burnout aufmachte, gabs hinter ihm ein paar Rangeleien auf der Strecke. Insbesondere sein Teamkollege Brad Keselowski war mit der Schlussphase nicht sonderlich glücklich, schließlich hatte er alle Hände voll zu tun, seinen Ford Fusion unter Kontrolle zu halten. Keselowski bremste hart ab, um Kenseth zu „begrüßen“. Dies wiederum veranlasste Gordon dazu, Keselowski einen kleinen Bump zu vergeben und am Ende war dann auch noch Dale Earnhardt Jr. stocksauer, da dieser wegen den Aktionen bremsen musste und AJ Allmendinger sich versehentlich ganz leicht im Heck der #88 wiederfand. Junior zog einmal an, um Keselowski einzuholen, lies dann aber weitere Aktionen bleiben.

„Wir hatten definitiv die Chance, das Rennen zu gewinnen,“ wie Keselowski nach dem Rennen völlig recht aussagt. „Ich hatte das Gefühl das er [Matt Kenseth] mich in die Mauer zwingt. Wenn du so um den Sieg fährst, was er definitiv tat, dann erwarte ich wenigstens das dieser Jemand das Rennen dann auch gewinnt, wenn er dich schon zu einer Kollision zwingt. Das war einfach nur ein irrsinniges Manöver von ihm und ich tat alles, um sein Heck zu berühren damit mein Teamkollege gewinnt,“ so Keselowski.

Kenseth hatte nicht viele, aber ruhige Worte für die Aussage vom Sprint Cup Champion aus dem Jahre 2012:

„Ja, ich bin ein wenig hochgefahren, aber ich bin um den Sieg gefahren. Ich versuchte einen ’slide job‘, um das Rennen zu gewinnen. Das war etwas, was alle vier von uns in diesem Moment taten: Wir haben hart, aber fair um den Sieg gekämpft.“

So sah es auch Jeff Gordon, der diesen Zwischenfall als „großartiges Short Track Racing“ bezeichnete:

„Joey [Logano] war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte einen verdammt guten Wagen auf den kurzen Stints. Wir haben es ausgekämpft und Matt [Kenseth] hat sich super breit gemacht, was völlig in Ordnung ist, wenn du um den Sieg fährst. Wir haben einfach nur hart gekämpft,“ wie Jeff Gordon nach dem Rennen gegenüber Fox erklärt. Am Ende kam er als zweiter ins Ziel, vor (etwas überraschend) Kyle Busch, Brad Keselowski und Matt Kenseth.

Einen richtig guten Tag erwischte AJ Allmendinger für JTG Daugherty Racing. Der ehemalige Team Penske Fahrer konnte seinen Chevrolet SS auf einen überragenden sechsten Platz fahren, welches das beste Ergebnis für das Mittelfeld Team ist, seit dem vierten Platz im Daytona 500 2011 von Bobby Labonte. Ein weiteres Indiz dafür, dass es mit diesem Team voran geht! Auch konnte Martin Truex Jr. endlich mal das Pech von seinen Schultern abschütteln und fuhr gemeinsam mit Furniture Row Racing in die Top 10 mit einem zehnten Platz – das beste Saisonergebnis bisher.

Auch wurde Richmond unweigerlich ein Schauplatz von einem Boxkampf, das wohl mehr Boxenlieferte als ein Klitschko Kampf! Ob das jetzt für die NASCAR förderlich oder ein Armutszeugnis für das heutige Boxen ist; darüber lässt sich streiten. Fest steht, das Casey Mears eine harte Rechte vom Australier Marcos Ambrose nach dem Rennen kassierte, als die beiden eine Auseinandersetzung hatten und Mears den ehemaligen V8 Supercars Piloten schubste. Warum sie so heftig diskutierten steht bisher noch nicht fest und auch eventuelle Strafen wurden (noch) nicht ausgesprochen. Allerdings ist es fraglich ob es welche geben wird, denn die NASCAR sprach von keinem schlimmen Vorfall. Eine Stellungnahme der beiden Fahrer ist noch nicht geschehen.

  • Gesamtwertung | In der Gesamtwertung behält Jeff Gordon weiterhin die Führung mit einem fünf Punkte Polster gegenüber Matt Kenseth, der auf Platz 2 lauert.
  • Rennergebnis

Nächste Woche darf man sich auf das komplette Gegenteil von einem Short Track freuen: Talladega! Der Superspeedway wird sicherlich wieder tolles und atemberaubendes Packracing liefern und vielleicht eine sensationelle Überraschung wie im letzten Jahr, als David Ragan das Rennen für Front Row Motorsports gewann. Dieses Jahr allerdings, wäre man automatisch im Chase! Eine ausführliche Vorschau findet ihr natürlich wie gewohnt im Laufe der Woche hier bei uns!

 

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