Warum ist Jimmie Johnson so gut?

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Jimmie Johnson ist mehrmaliger Sprint Cup Champion und weitere Titel sind nur eine Frage der Zeit. Doch wo liegt der Unterschied zwischen Jimmie Johnson und dem Rest des Feldes? Provokant gesagt: Jimmie Johnson ist der beste Stockcar Fahrer aller Zeiten.

Jimmie+Johnson+2010+Sprint+Cup+Series+Championship+jinnmct6H9IlAls der Sohn mit dem Namen Jimmie Kenneth Johnson von den neu gewordenen Eltern Catherine Johnson und Gary Johnson im Jahr 1975 in dem kleinen, unbekannten Dorf El Cajon geboren wurde, wusste natürlich keiner das er jemals fünf mal den Sprint Cup der NASCAR gewinnen würde. Doch schnell entwickelte sich die Leidenschaft zum Motorsport und schon mit vier Jahren begann der kleine Jimmie Motorrad-Rennen zu fahren und selbst zu diesem Zeitpunkt war eine Stockcar-Karriere undenkbar. Schließlich liegt El Cajon im sonnigen Kalifornien und wie wir alle wissen wurde die NASCAR in Kalifornien erst durch Johnsons späteren Mentor Jeff Gordon in den 90er bekannt.

Von staubigen Buggy Rennen, versuchte sich Jimmie Johnson im Jahre 1998 dann zum ersten mal in der damaligen NASCAR Busch Series (heute die „Nationwide Series“). Zwei Jahre später fuhr er dann schließlich seine erste volle Saison für das damalige Herzog Motorsports Team in der „zweiten Liga der NASCAR“ und wurde von Hendrick Motorsports Pilot und NASCAR’s Ikone Jeff Gordon entdeckt, der ihm für 2002 mit biegen und brechen ein Winston Cup (heute Sprint Cup) Cockpit bei Hendrick Motorsports bei Rick Hendrick ermöglichte. Die Bemühungen zahlten sich natürlich aus, sportlich wie finanziell.

In den fünf Jahren in der er die fünf Sprint Cup Titel in Folge gewinnen konnte, kann man sagen das er in einer eigenen Liga fuhr. Dies sackte 2011 und 2012 ein wenig ab, doch dieses Jahr scheint Jimmie Johnson so stark wie nie zuvor zu sein. Vier Saisonsiege (nur Matt Kenseth hat ebenfalls vier Siege) und zwöf Top 10’s, davon sind acht Top 5 Ergebnisse, beantwortet eigentlich die Frage wieso er derzeit über 49 Punkte Vorsprung auf den zweiten Clint Bowyer hat. Er könnte also aus Spaß ein Rennen aussetzen und er würde immer noch Punkteführer sein.

Doch was für die Gegner viel „schlimmer“ ist, ist die Tatsache das Jimmie Johnson diese Saison nicht nur auf den 1,5 Meilen Ovalen dominiert sondern auch auf den Superspeedway Strecken, auf denen er in den letzten Jahren viele Punkte durch Pech verlor und so der Konkurrenz wenigstens ein paar Chancen gab, die sie teilweise auch nutzten. Doch dieses Jahr hat Johnson zwei von bisher drei gefahrenen SSW Rennen gewonnen und ein paar zusätzliche Siege auf den 1,5 Meilen Strecken bzw. sonstige Ovale durch diverse Restarts verloren. Ich persönlich würde soweit gehen, dass Jimmie Johnson diese Saison nur sich selber schlagen kann, denn die Konkurrenz hat er fest im Griff. Lediglich Matt Kenseth würde ich es zutrauen, schließlich hat auch er vier Saisonsiege auf dem Konto.

Doch was macht Jimmie Johnson so stark? Was hat er, was andere Sprint Cup Fahrer nicht haben? Mit „Naturtalent“ ist diese Frage nicht beantwortet. Nein, es gibt wesentlich mehr Gründe wieso er so gut ist. Es fängt schon bei seinem Crew Chief Chad Knaus an, den man sicherlich mit Crew Chief Größen wie Dale Inman (Richard Petty) oder Ray Evernham (hauptsächlich Jeff Gordon) vergleichen kann. Zwar hat er für viel Furore durch verfehlte technische Abnahmen gesorgt, doch genau das ist das Erfolgskonzept. Das letzte „bisschen“ aus den so streng regulierten Stockcars herauszuholen, selbst wenn es den Wagen nur ein paar Zehntel oder gar hunderstel schneller macht. Natürlich ist auch das Material von NASCAR’s Nummer 1, Hendrick Motorsports, nicht zu vergessen.

Doch ich denke, dass der meiste Anteil des Erfolgrezeptes immer noch bei Jimmie Johnson, dem Fahrer, liegt. Er ist ruhig und gelassen, umsichtig aber auch „kaltblütig“ wenn es um den Sieg geht. Er ist nicht der Saubermann wie viele ihn sehen, nein. Auf der Strecke gibt er alles und fällt, wenn es um den Sieg geht, zurück in seine Anfänge hinein in denen er jede Menge Material zerstörte. Er geht sogar so weit und nimmt das Risiko auf sich, seine Teamkollegen zu crashen, wenn auch indirekt. Fragt einfach Kasey Kahne, Dale Earnhardt Jr. oder Jeff Gordon.

Doch was mich persönlich beschäftigt und wobei ich mich immer selber ertappe ist der Fakt, dass man nie Johnsons Name nennt, wenn es um NASCAR Legenden geht. Dann sagt man Namen wie Richard Petty, Dale Earnhardt Sr., David Pearson, Darrell Waltrip, Bobby Allison, Jeff Gordon und viele weitere, doch Jimmie Johnson bleibt unerwähnt. Egal ob im Fernsehen oder im Internet, er wird nie genannt trotz seiner vielen Titel und Dominanz. Doch ich persönlich bin der Meinung, dass man dies tun sollte. Ich gehe sogar soweit und sage: Jimmie Johnson ist der beste Fahrer aller Zeiten, denn Zahlen sagen immer die Wahrheit, nicht wahr (?):

In der folgenden Statistik sieht man die Prozentzahl der Gewinnwahrscheinlichkeit der Fahrer und ich habe mir mal die Top 5 dieser Statistik herausgefischt:

  1. David Pearson – 18,2%
  2. Richard Petty – 16,8%
  3. Jimmie Johnson – 15,5%
  4. Cale Yarborough – 14,8%
  5. Ned Jarrett – 14,2%

Doch nun kommt der springende Punkt meiner Meinung nach: Pearson, Petty, Yarborough und Jarrett sind in einer Zeit gefahren, in der die Leistungsdichte bei weiten nicht so hoch war wie zur Zeit bei Jimmie Johnson. Heute können Woche für Woche konstant ~14 Fahrer um den Sieg fahren, während es damals nur 5-7 konkurrenzfähige Wagen gab. Würde Jimmie Johnson in den 70er oder 80er Jahren mit gleichwertigen Material fahren, dann wäre er sicherlich die Nummer 1 in dieser Statistik. Ich persönlich bin kein Fan von Jimmie Johnson (was wohl an seinem Charakter liegt) wie viele andere NASCAR Fans auch, doch ich respektiere seine Leistung wie keine andere und bin der festen Überzeugung, dass er längst eine Legende des NASCAR Sports ist…

 

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