NASCAR @ Daytona 2013 (3/3)

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[singlepic id=3211 w=320 h=240 float=left]Mir fällt auf, dass es ja schon bald wieder vorbei ist, mit USA, mit Daytona. Mit Racing. Heute noch Nationwide, morgen das Daytona 500. Das war’s dann. Egal, beide Rennen liegen noch vor uns, also auf zur Strecke. Ich parke wieder auf dem riesen Acker. Und wieder mit dem Bus zur Strecke. Klappt alles wunderbar. Wir genießen das letzte Sprint Cup Training.

Nur noch zwei mal Green

Wie beim Truck-Rennen geht’s ungefähr eine Stunde vor Grün aufs Grün im Trioval. Ziellinie nochmal unterschreiben (die lackieren das jede Nacht wieder neu) habe ich keine Lust, zu viele Leute tummeln sich da. Ich schaue mir mit Jo die Autos an, die nach und nach in die Boxenstraße geschoben werden. Anschließend besetzen wir einen freien Platz an der unteren Boxengasse, also da, wo die Piloten wieder vorbeigefahren werden. Diesmal erkenne ich schon mehr Fahrer als gestern.

Und wieder zurück zum Tribünenplatz, diesmal wieder auf „unsere“ Plätze, ganz oben zwischen Start/Ziel und Turn 1. Das Rennen ist super. Es macht vermutlich auch am TV Spaß. Die Atmosphäre beim Nachtrennen gestern war natürlich schon geiler als so in der Mittagshitze Floridas. Aber ich will nicht meckern, wer würde sich nicht gerne in Daytona bei Sonnenschein ein Nationwide-Rennen reinziehen?

[singlepic id=3117 w=320 h=240 float=right]Und dann die letzte Runde. Der Crash. Ich sehe erst gar nicht, was eigentlich alles passiert ist, freue mich, dass Tony Stewart gewonnen hat. Ich sehe, wie unten im Zielbereich alles hektisch wird. Wie Rauch direkt am Zaun aufsteigt, obwohl da kein Auto steht. Irgendwas stimmt nicht, das war kein normaler Crash. Es gibt kein Replay auf den Videowänden, kein Kommentar mehr. Die Leute um mich herum diskutieren alle, es ist klar herauszuhören, dass Teile in Bereiche geflogen sind, in die sie nie hätten fliegen dürfen. Ich habe die letzte Runde aufgenommen, schaue mein Video an und sehe, wie ein Reifen auf die Tribüne fliegt. Sirenen sind zu hören, ich schaue von der Tribüne aus auf den Highway und sehe Krankenwagen, die zum Speedway abbiegen. Viel sehe ich nicht von so weit oben, aber viel möchte ich auch nicht sehen. Ich will nur wissen, wie schlimm es wirklich ist. Irgendwann werden wir von einem Sheriff von der Tribüne gewunken. Ohne sonstige Information. Wir gehen, wie jeden Tag, in die Merchandise-Shops an der Strecke, aber diesmal ist es anders als sonst. Ganz komisches Gefühl, irgendwie. Ein Hubschrauber kreist über der Strecke. Wir gehen bei Denny’s essen. Dank W-LAN kann ich News lesen, und die sind, den Umständen entsprechend, halbwegs gut. Zumindest die Katastrophe scheint auszubleiben. Trotzdem hat der Burger schonmal besser geschmeckt.

The Show must go on! Endlich findet das Rennen aller Rennen statt, das Daytona 500. Das Wetter ist heute nicht ganz so super wie zuletzt, auf der Autofahrt regnet es zwischendurch mal kurz ein paar Tropfen. Wir stehen im Stau. Dass es heute nicht so flüssig laufen würde wie bisher war mir klar. Aber der Stau fängt schon sehr viel weiter von Daytona entfernt an als ich es erwartet hätte. Ich bin schlecht gelaunt. Da bin ich einmal in den USA, einmal beim Daytona 500, und jetzt verpasse ich womöglich den Start? Kurz vor Daytona biege ich links ab, da es da auch zum Parkplatz geht. Da ist frei, alle fahren den normalen Weg Richtung Speedway. Ich weiß, dass wir da noch sehr lange stehen würden.

Die Entscheidung, abzubiegen, ist goldrichtig. Schnell sind wir am Parkplatz, an einem ganz anderen Eck wie sonst. Ich sehe jetzt, wie groß der Acker wirklich ist. Echt gigantisch. Dank hunderten von Schulbussen muss man auch nicht lange warten. An der Strecke angekommen, stelle ich fest, dass die Fahrerpräsentation noch nicht angefangen hat. Ich bin glücklich, zufrieden, nichts verpasst zu haben, und freue mich auf den Tag.

Es ist alles echt voll heute. Es ist, als wären alle Zuschauer der letzten zwei Wochen auf einmal da. Der Speedway platzt aus allen Nähten. Die Fahrerintros fangen an. Ich habe noch einen super Platz erwischt, stehe auf dem Banking im Trioval, die Fahrer kommen auf dem Laufsteg direkt auf mich zu. Ich schieße viele gute Bilder. Dann werden die Piloten wieder auf den Pickups herumkutschiert, nur wenige Meter an mir vorbei. Ich erkenne mehr Fahrer als gestern.

Das Rennen ist langweilig. Vermutlich auch am TV. Wenn Danica führt, springen alle auf, jubeln. Bei Jr. auch. Nur der führt ja nicht so oft. Johnson gewinnt. Na super, auch das noch. Nach dem Rennen gehen wir nochmal da hin, wo die Merchandise-Trucks stehen: alles wie ausgestorben! Wo die letzten Tage die Hölle los war, ist jetzt gar nichts mehr. Vereinzelt kann man noch Merchandise kaufen, aber der Großteil des Fanbereichs ist schon abgebaut. Allgemein scheint es, als gehen die Amis nach dem Rennen ganz schnell heim, wir haben nur ein einziges Mal nach dem letzten Rennen eines Tages noch einen Hotdog an der Strecke bekommen. Und selbst bei Rennen, die am späten Nachmittag aus waren, hat man meist nichts mehr bekommen, außer vielleicht noch das, was halt noch auf dem Grill lag. Wir bleiben noch ein bisschen in den Merchandise-Shops und fahren dann mit einem der letzten Busse zurück zum Parkplatz. Und von da aus wieder nach Kissimmee. Die Rennen sind jetzt also vorbei. Wenigstens noch zwei Tage USA übrig.

Ein letztes Mal Daytona Beach
Eins haben wir noch nicht gemacht: M&M-Store in Orlando angucken. Dieser befindet sich in der „Florida Mall“, im Süden von Orlando. Auch diese Mall ist riesengroß, auch hier gibt es eine extra Fressecke mit gefühlt 40 verschiedenen Imbissen nebeneinander. Von chinesisch über italienisch bis hin zum typisch Amerikanischen gibt’s hier alles. Man muss nichtmal was kaufen, um satt zu werden. Es reicht, wenn man ein paarmal hoch und runter läuft, überall werden einem Gratis-Kostproben unter die Nase gehalten.

Schließlich finden wir den M&M-Store. Wir tollen draußen bei den übergroßen Plastik-M&Ms rum, bevor wir den Shop betreten. Meiner Meinung nach riesengroß, laut Jo’s Aussage aber richtig klein im Vergleich zum Store in Las Vegas. Hier gibt’s alles: M&M T-Shirts, M&M Monopoly, M&M Webcam, M&M Duschvorhang, M&Ms in über 20 verschiedenen Farben zum selber mischen. Pete ruft an. Heute Abend North Turn mit der Motorvision/motorsport-total-Truppe. Wir schlendern noch ein bisschen weiter durch die Mall und fahren ein letztes Mal Richtung Daytona Beach.

Das North Turn ist genial. Jetzt, am Abend, ist es noch viel besser als vor wenigen Tagen am Nachmittag. Direkt am Strand gelegen, tolle Aussicht auf die endlosen Weiten des Ozeans, bei extrem angenehmen Temperaturen. Pete bietet uns eine exklusive Führung an und nimmt uns zunächst mit runter an den Strand. „Stop!“, sagt er irgendwann, und bleibt stehen. „Jetzt stehst du auf der alten Strecke“. Cooles Gefühl irgendwie. Ich stehe mitten in Turn 3. „Und da ganz hinten, bei dem großen Gebäude, da war Turn 2“. Wow. Das ist weit. Ich wusste nicht, dass die Strecke so lang war. Die Geschichtsstunde geht weiter, im Inneren des North Turn. Die alten Fotos sind wirklich beeindruckend, man erkennt gar nicht, dass die Rennen da, wo ich gerade bin, stattfanden. Auf den Bildern ist kein einziges Gebäude zu sehen, heute ist alles zugepflastert mit riesigen Hotelanlagen. Ich merke erst, wie wenig ich mir bei unserem ersten North Turn Besuch angesehen habe. Und bin froh, dass ich diese Gelegenheit jetzt wahrgenommen habe. Das Essen schmeckt übrigens auch sehr gut. Der originale Moonshine auch, wie ich mir sagen lasse. Der Abend gefällt mir richtig gut. Ein letztes Mal fahren wir von Daytona nach Kissimmee. Tschüss, Daytona, tschüss Speedway! Bis bald. Natürlich halte ich nochmal beim Fressautomatenparkplatz.

Der letzte komplette Tag bricht an. Jo und ich beschließen, mit den letzten Tropfen Sprit im Fiesta mal Richtung Downtown Kissimmee zu fahren, da waren wir nämlich bisher noch nicht. Wir finden einen Wal-Mart. Auch hier fällt mir nur eins ein: Wow, ist das riesig! Wir schlendern durch die Regale. Hier stehen fette Grills für 200 Dollar, daneben Tische und Stühle, daneben Angelzeug, daneben ist die Waffenabteilung. Ein Mann begutachtet die Gewehre, sein kleiner Sohn neben ihm. Wir gehen weiter und kommen zum NASCAR-Regal, was im Verhältnis ziemlich klein ausfällt. Schließlich kommen wir zur Fressabteilung, die ungefähr ein Drittel des kompletten Marktes einnimmt. Und mitten in der Abteilung steht ein McDonalds! Das ist doch mal super, da kann man sich gleich den Hunger, den man bekommt, wenn man durch die Süßigkeitenabteilung läuft, wieder wegfressen.

Als wir den Markt verlassen, fängt es an, wie aus Eimern zu regnen. Es ist wirklich heftiger Regen, man sieht kaum was auf der Straße, ich fahre langsam. Es hört genauso schnell wieder auf wie es angefangen hat. Wir fahren durch den historischen Stadtkern von Kissimmee, der jetzt auch nicht sooo viel zu bieten hat. Ich ärgere mich über die vielen Speed Bumps und will so schnell wie möglich wieder auf den Highway.

Wir cruisen in die andere Richtung, wo wir schonmal waren, und halten am kleinen Freizeitpark inmitten der Fressbuden und Gift Shops (dt.: „Gruschdladen“), die es hier zuhauf gibt. Viel los ist nicht im Park, viele Fahrgeschäfte haben nicht auf. Ein paar Leute fahren GoKarts. Wir schlendern durch eine im Western-Style gehaltene Passage, die wir noch nicht kannten, mit kleinen (Souvenir-)Shops und Bars. Dann fahren wir zurück zum Hotel. Wir müssen packen. Wir schaffen es gerade so, trotz Jo’s neu gekaufter, zusätzlicher Tasche, alles unterzubringen. Dann ist es Zeit für den letzten US-Burger. Natürlich gehen wir zu Denny’s um die Ecke über die Straße. Der Burger ist, wie immer, super.

Tschüss, USA!
Heute geht’s heim. Zwei wunderschöne Wochen liegen hinter mir, es war wirklich geil hier. Aber irgendwie freue ich mich auch auf daheim. So ein klitzekleines bisschen halt, aber immerhin. Ich vermisse, nach den vielen Burgern, vor allem das deutsche Essen, meinen Lieblingsdöner beispielsweise. Scharf, mit allem, außer Oliven. Ich bringe den Fiesta zurück, packe noch den Rest zusammen. Wir checken aus und warten vor dem Hotel auf unseren Shuttleservice zum Airport. Wir haben dort noch etwas Zeit und genießen einen letzten US-Hotdog, schlendern durch den Flughafen, der viel lebendiger ist als nachts um 1 Uhr vorletzte Woche, als wir ankamen. Damals war hier alles leer, wie ausgestorben. Ab zum Gate. Ab nach Philadelphia.

Das Wetter ist wieder trüb in Philadelphia, aber temperaturtechnisch noch völlig in Ordnung. Kein Vergleich zu Florida, aber auch kein Vergleich zu Deutschland. Obwohl wir diesmal keine fünf Stunden Aufenthalt haben, sondern gerade mal zwei, gehen wir wieder raus. Einerseits zum Rauchen (Anne, Jo), andererseits zum frische Luft schnappen (Anne, Jo, ich). Und dann geht’s wieder durch die Sicherheitskontrolle, quer durch den Airport, zum Gate. Die letzten Sekunden auf amerikanischem Boden. Es wird gerade dunkel, als wir ins Flugzeug steigen.

Ein Riesenburger dreht sich im Bildschirm vor Jo, Käse tropft von der obersten Schicht nach unten. Saft tritt aus dem perfekt gebratenen Fleisch aus und vermischt sich mit dem Käse zu einer Mischung geradezu göttlichen Geschmacks. Der prächtige Turm aus Fleisch, Käse und Brot ist umgeben von goldbraunen Pommes, die noch leicht glänzen vom Fett, in dem sie gerade eben noch schwammen. Eine Flugbegleiterin fragt Jo, ob er noch was wolle. „I want this burger“, antwortet er, und zeigt auf den Bildschirm. Ich schlafe ein.

 

Und zum Abschluß noch all unsere Bilder der letzten Tage :

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