NASCAR @ Daytona 2013 (1/3)

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[singlepic id=2870 w=320 h=240 float=left]Ein Riesenburger dreht sich im Bildschirm vor mir, Käse tropft von der obersten Schicht nach unten. Saft tritt aus dem perfekt gebratenen Fleisch aus und vermischt sich mit dem Käse zu einer Mischung geradezu göttlichen Geschmacks. Der prächtige Turm aus Fleisch, Käse und Brot ist umgeben von goldbraunen Pommes, die noch leicht glänzen, vom Fett, in dem sie gerade eben noch schwammen. Ich sitze im Flugzeug in Richtung Philadelphia, Pennsylvania, USA, und schaue mir eine Burger-Doku an, die US Airways über das Entertainmentsystem anbietet. In der Doku reist ein echter Ami durch die Staaten auf der Suche nach dem perfekten Burger. Ich bekomme Hunger. Über neun Stunden Flugzeit nach Philadelphia sind lang. Ich höre Musik und trinke Cola, um mir die Zeit zu vertreiben.

Endlich gelandet. Jetzt gute vier Stunden Pause bis zum nächsten Flug. Nach Orlando.
Wir gehen raus an die frische Luft und sehen die SEPTA vorbeifahren, quasi die U-Bahn von Philadelphia. Quasi eine Blechbüchse auf Rädern. Sieht cool aus, und vor allem: Es ist so richtig „ami“. Gefällt mir. Es regnet übrigens etwas, aber die Temperatur hat sich, im Vergleich zum kalten München, schon merklich erhöht. In Florida, dem Sunshine State, geht die Temperaturkurve sicherlich nochmal nach oben.

Das Boarding des Ferienfliegers Richtung Orlando beginnt. Der Flug ist restlos ausgebucht, überall Familien mit Kindern, die zu den Disney- und den anderen Themenparks in Orlando wollen. Hoffentlich wird der Flug halbwegs erträglich, hoffe ich. Zumal sich die beiden geplanten Stunden schnell auf deren drei erhöhten. Flieger muss enteist werden. Das hatte dann eine Fahrt quer über den Flughafen zur Folge. Endlich geht es los. Es ist schon dunkel.

Trotz der vielen Kinder bleibt es erstaunlich ruhig, ich schlafe ein wenig. Irgendwann waren wir dann endlich am Airport in Orlando, Florida. Es war bereits nach Mitternacht Ortszeit, aber die Temperatur, die wir vorfanden, lag weit über denen, die wir in den letzten Monaten in Deutschland hatten. Es war ziemlich warm. Nach kleiner Verunsicherung bezüglich unseres Shuttles zum Hotel und etwas Wartezeit und noch etwas Fahrzeit waren wir dann endlich in unserer Unterkunft. Nach ungefähr 24 Stunden Reisezeit. Ein paar Stunden schlafen, dann wieder aufstehen. Der Mietwagen ist auf 8:00 a.m. bestellt. Ich schlafe sofort ein.

Der erste Tag
Ein Ford Fiesta also. In Ferrari-Rot. Ein hübscher, kleiner Flitzer, der uns täglich von Kissimmee, südlich von Orlando, an die Strecke von Daytona Beach bringen soll. Wir probieren ihn sofort aus, denn es ist Donnerstag, ARCA-Trainings-Tag. Den Weg zum Speedway finden wir sofort ohne Probleme, was auch nicht sonderlich schwer ist. Einmal Abbiegen insgesamt. Sonst nur geradeaus. Ich gewöhne mich schnell daran, dass Trucks links und rechts überholen, daran, dass ich nicht die Spur wechseln muss, so wie in Deutschland immer auf der Autobahn. In den USA geht es darum, möglichst wenig die Spur zu wechseln, man darf links und rechts überholen. Ich gewöhne mich daran, die ganze Zeit auf der mittleren Spur zu fahren und nur in Ausnahmefällen mal links oder rechts auszuscheren, um jemanden zu überholen. Die mittlere Spur ist super, denn sowohl die ganz rechts, als auch die ganz links können schnell mal zur Abbiegespur werden. Und dann müsste man ja wieder Spur wechseln. Also immer schön in der Mitte bleiben. Die letzten 15 Meilen vor Daytona sind nur zweispurig, doch hier wird mir die Entscheidung, ob links oder rechts abgenommen: „Slower traffic keep right“. Also so wie in Deutschland. Muss trotzdem kaum die Spur wechseln. Wir sind da.

[singlepic id=2237 w=320 h=240 float=right]Wow, krass, wie hoch die Tribünen sind, denke ich mir, als ich die gewaltige Anlage zum ersten Mal von außen sehe. Da es noch recht früh ist, sind die Ticketkontrolleure noch nicht an jedem Eingang postiert, so kommen wir für umsonst rein. Normalerweise hätte man selbst zum ARCA-Training schon ein paar Dollar berappen müssen. Das Training läuft schon. Wir betreten den Speedway Ausgang Turn 4. Wummmmmmmmm, macht es, und das Auto, welches eben gerade noch neben mir am Zaun entlang geflitzt ist, befindet sich schon im Triova. Man sieht, wie es in das Banking um Start/Ziel eintaucht, wie es, so wirkt es, aus dem Banking heraus geschleudert wird, auf die kurze Gerade Richtung Kurve Eins. In eben jeder Kurve Eins sieht man das Auto immernoch, diesmal von schräg oben, dank dem 31-Grad Banking. Dann ist es nicht mehr zu sehen, ich stehe zu tief, unten, direkt am Zaun. Wummmmmmmmm, macht es wieder, das nächste Auto vorbei, ins Trioval, in Turn 1. Ich überlege mir, wie es wohl ist, wenn hier 40 Autos auf einmal vorbeirauschen.

Wir beschließen, ins Infield, also in die Fanzone, zu gehen, besser: zu fahren. Von Turn 1 ab fahren so genannte „Trams“ ins Infield, von Pickups gezogene Wägen mit Sitzen drin. Doch wir dürfen nicht rein, unsere Fanzone-Karten gelten erst ab der nächsten Woche zu den Duels, und das obwohl „Super Admission“ draufsteht! Extra zahlen wollen wir nicht und so wollen wir wieder auf die Tribüne. Geht auch nicht, mittlerweile stehen Ticketkontrolleure an den Gates, und wir haben ja auch keine normalen Karten. Die Kontrolleure wundern sich, wie wir ohne Karten reingekommen sind. Extra zahlen wollen wir nicht und so gehen wir mal über den Highway, den „Speedway Boulevard“, um Daytona etwas auszuchecken.

Es fängt an zu regnen. Froh, dass wir keine Extra-Dollars mehr für irgendwelche Speedway-Tickets ausgegeben haben, flüchten wir uns in so eine große Mall mit vielen Geschäften drin. Wir vertreiben uns die Zeit, finden die Fressecke mit ungefähr zehn Fressbuden nebeneinander, und fahren irgendwann wieder ins Hotel zurück. Auf der mittleren Spur. Ganz entspannt.

I GOT IT!!!!
Es ist Freitag, ein Tag vor dem Sprint Unlimited. Das heißt, dass endlich die neuen Gen6-Autos des Sprint Cup auf die Strecke gehen werden, zum Training. Und wir fahren selber mal mit. Für uns geht’s aber erstmal auf die Interstate 4 Richtung Osten. Richtung Daytona Beach. Ich drücke die Knöpfe, die sich rechts am Lenkrad befinden, in der Hoffnung, mit ihnen lässt sich der Tempomat einschalten. Hat unser Fiesta überhaupt einen? Jedenfalls passiert nichts, und so muss mein Fuß ein bisschen arbeiten. Mir kommen die Songs, die im Radio gespielt werden, schon bekannt vor, von den beiden Fahrten gestern. Jo schaltet einen Sender weiter. Wir sind da.

Zuerst steht die Richard Petty Driving Experience auf dem Plan, also drei Runden lang Vollgas durch die Steilkurven. Wir müssen etwas warten, werden ins Infield gefahren, wieder warten, Firesuit an und dann geht’s irgendwann los. Geil, richtig geil, wenn du da das erste Mal in Turn 1 fährst. Es drückt sich in den Sitz, du spürst die Kräfte, und du kannst dir gar nicht vorstellen wie das gehen soll, 200 Runden lang zu dritt nebeneinander. Leider viel zu kurz das Ganze. Wie immer eigentlich. Noch zusätzliches Geld für den Petty-Erinnerungskram ausgeben. Gleich Cup-Training.

Wo wir jetzt schonmal im Infield sind, schauen wir uns die Garagen an. Das geht, durch ein kleines Fenster in der Wand einer jeden Garage. Soooo viel sieht man jetzt nicht, also gehen wir auf das Dach der Garage, auf das Fandeck, mit super Blick auf die kleine Straße zwischen Teamtrucks und Garage. Und mit super Blick auf Turn 3-4 und die Gerade Richtung Ziellinie. Das Training hat gerade erst begonnen, ein kleines Pack an Autos dreht seine Runden.

Dann kommt es zum ersten kleinen Crash, Ausgang Turn 4. Ein Ami neben mir hats gefilmt, mit seinem Handy, was er auch lautstark herausposaunt: „I GOT IT!!!!“, brüllt er, alles und jeden um ihn herum highfivend. „I GOT IT!!!!!“, brüllt er nochmal und zeigt auf sein Handy, als ob er es gerade gewonnen hätte. Er rennt das Fandeck entlang, die Treppe runter, man sieht ihn nicht mehr. Er hat vermutlich das halbe Fahrerlager ge-highfived. Ob es das Sensationsvideo mittlerweile auf youtube geschafft hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass er sein Essen hat stehen lassen, als er vor Freude und Begeisterung wegrannte. Ob er das Essen später wieder geholt hat, ist mir wiederum nicht bekannt.

BSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS, macht es plötzlich, als ich wieder auf der Tribüne sitze. Ganz oben. Es ist ein elektrisches BSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS, also nicht so ein BSSSSSSSSSSSSSSSS, wie wenn irgendwo Gas austritt. Mir ist schnell klar, was das ist: Die Flutlichtanlage, die ein paar Meter über der Tribüne schwebt. Hätte nicht gedacht, dass das so laut ist. Ich habe zuvor überhaupt nichts über die Flutlichtanlage gedacht. Es ist Abend-Training für das Sprint Unlimited. Irgendwann war auch das Training und somit Tag 2 am Speedway zuende und wir fahren wieder auf die I-4, diesmal Richtung Westen. Richtung Orlando. Wir wechseln erneut den Radiosender. Wieder, weil wir alle Songs schon kennen, von der Hinfahrt.

Endlich Rennen
Es ist Samstag, das ARCA-Rennen und das Sprint Unlimited, das ehemalige Budweiser Shootout, stehen an. Ich drücke wieder die Knöpfe rechts am Lenkrad, und siehe da: man kann damit tatsächlich den Tempomat anschalten. Wichtig ist die Reihenfolge: Man muss den „ON“-Knopf drücken, um das System überhaupt nutzen zu können, und dann den „+“-Button, um die aktuelle Geschwindigkeit automatisch halten zu lassen. Ein kurzer Tap auf die Bremse deaktiviert den Tempomat wieder. Endlich hat auch der rechte Fuß Pause. Wir nehmen wieder den Radiosender von vorgestern, den von gestern kennen wir auch schon. Uns fällt auf, dass auch kaum Gequatsche kommt, zum Beispiel haben wir bisher kein einziges Mal Nachrichten gehört, auf keinem der Sender. Stattdessen hat jeder Sender ungefähr zehn Songs, die immer und immer und immer und immer wieder wiederholt werden. Wir sind da.

Durch den Kartenkauf dürfen wir auch mal wieder offiziell auf die Tribüne und in die Fanzone. Da fahren wir dann auch hin, mit der Tram, durch einen Tunnel unter Kurve 1, einmal Quer durch das Infield, teilweise auf dem Roadcourse, der erst vor wenigen Wochen für das 24h-Rennen genutzt wurde. Man sieht die neuen Streckentrocknungstrucks, „…die nicht dazu da sind, um von Montoya über den Haufen gefahren zu werden“, merkt der Fahrer an. Cup-Training läuft, ist irgendwann wieder vorbei, weiter geht’s mit der ARCA.

Das ARCA-Rennen geht diesmal ohne Überschlag über die Bühne, was schon etwas erstaunlich ist. Ansonsten: Wenn du auf der Tribüne sitzt, sieht das alles aus wie im Fernsehen. Viele Autos fahren in einer oder zwei Reihen durch die überhöhten Kurven, du siehst sie von schräg oben. Vielleicht liegt es daran, dass ich ganz oben sitze, Reihe 49 von 50, vielleicht daran, dass nur Vollgas gefahren wird bei halber Leistung, vielleicht daran, dass ich schon Top Fuel Dragster hab starten sehen, wahrscheinlich liegt es an allen drei Faktoren etwas, aber: Es ist schon ziemlich leise, leiser als ich es erwartet hätte. Ich bin beim Rennen nicht unten am Zaun, aber ein bisschen bei den Trainings, und wenn da ein paar Autos gleichzeitig vorbeirauschen ist das schon geil, ein bisschen lauter als ganz oben, aber leider sehr schnell vorbei. Es macht halt WUMMMMMMM, und das war‘s. Leider sieht man von da unten aber kaum was von der restlichen Strecke. Man hat halt das WUMMMMMMM. Ich freue mich trotzdem auf das Unlimited unter Flutlicht.

jeffhammondJo ist bei der Fahrervorstellung live dabei, er hat sich einen Fanzone-Pass besorgt. Ich verzichte darauf, da ich ja einen für das komplette kommende Wochenende habe. Ich bleibe also hinter dem Zaun. Mich spricht ein Helfer vom Speedway an, weil er auch Tony-Fan ist. Marc heißt er. Wir kommen ins Gespräch, es geht um die USA, Florida, um deutsche Autos. Irgendwann taucht ein Kamerateam auf, inklusive Jeff Hammond, welche sich zu den Fans auf die Tribüne setzt und in der Folge fleißig Autogramme schreibt. Nach der TV-Schalte zu ihm steht er wieder auf und geht. Marc labert ihn an und verweist auf mich, ganz euporisch, und erklärt Hammond, dass ich aus Deutschland komme. Ich bekomme ein Autogramm von Hammond und ein Foto davon von Marc per Email. Leider, so scheint es, hat Hammond nicht viel Zeit, er muss wohl zu einem anderen Punkt der Strecke, für seinen nächsten Auftritt im TV. Danke Marc, die Stunde da unten am Zaun war echt genial.

Ich bemerke, dass die Motoren bereits laufen, und erklimme die 49 Reihen bis zum Sitzplatz auf dem Petty-Tower. Das Rennen ist so naja, und schnell wird das das ohnehin kleine Feld durch einen Crash in Turn 2 so dezimiert, dass das Rennen in der Folge so aussieht wie ein Training im kleinen Pack. Das Rennen ist trotzdem viel zu schnell vorbei. Kurz noch Hotdog essen (wir ergattern noch einen, es wird gerade nur noch das Verkauft, was noch auf den Grills liegt), und dann geht’s zum Hotel zurück.

Nachts fahren ist anstrengend. Man muss nicht Gas, Bremse, Rechts, Gas, Links, Bremse, Bremse, Links, Rechts, Gas, Bremse, wie in Deutschland. Man muss Gas, „ON“, „+“, geradeaus, geradeaus, geradeaus, geradeaus, geradeaus, Bremse. Und nachts ist auch kaum Verkehr, da sieht man dann nicht mal so einen Truck auf einem Truck auf einem Truck, über den man sich amüsieren kann. Oder einen riesen Camping-Hauler mit Pickup für kleinere Fahrten am Urlaubsort hintendran. Nein, nachts siehst du nur die drei Spuren, wie sie vor dir liegen. Mir ist gestern schon ein Rastplatz aufgefallen, so auf halber Strecke, den ich jetzt mal ansteuere, um wieder wach zu werden. Dort entdecken wir eine Ansammlung unzähliger Fress- und Getränkeautomaten, die alles bieten, was das Herz so begehrt, und alles für einen Dollar oder 1,25 Dollar! Mir ist klar, dass wir hier noch öfter Rast machen würden. Die Paprika-Chips sind gut.

Hier geht’s zu Teil 2

 

2 KOMMENTARE

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